Die Saison 2017/18 neigt sich dem Ende zu. Für Borussia Mönchengladbach war es eine Spielzeit, die von Höhen und Tiefen geprägt war und von einigen Faktoren durchaus negativ belastet wurde. Nichtsdestotrotz steht die Mannschaft von Dieter Hecking auf dem neunten Tabellenplatz und hat kurz vor Schluss noch die Gelegenheit, sich für die Europa League zu qualifizieren. Im Gespräch mit der Rheinischen Post sprach Sportdirektor Max Eberl allerdings auch über die Zukunft des Vereins und schloss einen großen Umbruch nahezu aus.


"Zweigleisig", so Max Eberl, würde er die Planung für die kommende Saison "nicht nennen. Wir planen die neue Saison mit den Erkenntnissen, die wir in den letzten Jahren gewonnen haben. Wir bewegen uns ja schon seit einer Weile in diesen Regionen und es war zu diesem Zeitpunkt einer Saison selten klar, ob es Europa wird", so der langjährige Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach im Gespräch mit der Rheinischen Post.


Derzeit belegen die 'Fohlen' den neunten Tabellenplatz, was bei einigen Fans für Unmut sorgte. Eberl zeigt sich mit dem Saisonverlauf jedoch zufrieden: "Wir hatten die Verletzten, wir hatten Leistungsschwankungen, wir hatten Probleme drumherum. Damit ist es für Borussia schwierig, nachhaltig in den Kampf um Europa einzusteigen. Ich bin sehr froh darüber, dass wir auf Platz neun stehend von den Punkten her noch im Dunstkreis sind." Zwar könne man das internationale Geschäft noch erreichen, doch ein Verpassen relativierte der 44-Jährige: "Wir dürfen nicht vergessen: Von 18 Vereinen verpassen 13 in der Regel mehr oder weniger ihre Ziele."


Kein riesiger Umbruch: Puzzlespiel statt Umgrabung 


In der Kaderplanung für die kommende Saison wolle man zunächst "überlegen, was zu tun ist, damit wir diese Mannschaft länger und vollständiger zur Verfügung zu haben. Im zweiten Schritt wird es aber keinen radikalen Umbau geben." Man müsse "Puzzleteile finden", die in das Gladbacher Spiel passen. 


"Natürlich wird es Zu- und Abgänge geben, aber wir reden nicht davon, dass acht Spieler gehen und acht Spieler kommen", so Eberl. Eines dieser Puzzleteile könnte man dabei für den Angriff suchen: "Es gibt Überlegungen, im Sturm mal etwas anderes zu machen. Ob es dann so kommt, ist eine andere Sache. Wir wollen schwieriger auszurechnen sein. Das Tor in Schalke war ein Paradebeispiel dafür, wie wir Fußball spielen wollen."

Borussia Moenchengladbach v FC Augsburg - Bundesliga

               Will den bisherigen Weg weitergehen: Sportdirektor Max Eberl


In Gladbach profitiere man durchaus davon, dass man keine Abgänge aufgrund von Ausstiegsklauseln befürchten müsse: "In allen Bereichen haben wir das Heft des Handelns in der Hand. Natürlich gibt es großes Interesse an Spielern, aber es gibt keine Klauseln und keine Verträge laufen aus." 


Daher lautet das Motto: "Wir können agieren und müssen nicht reagieren." Unverkäuflich sei jedoch niemand. Allerdings hadert Eberl auch mit der Krux, Spieler wie Reus, Xhaka oder Dahoud nicht halten zu können. "So einen Topspieler zu ersetzen, ist nie einfach", so der Sportdirektor, der festhielt: "Wir verkaufen oft Qualität und kaufen Potenzial." 


Nachhaltige Jugendarbeit im Blick - Gespräche mit Hecking nach Saisonende


Der Fokus soll aber auch in Zukunft weiterhin zum Teil auf die Nachwuchsabteilung gerichtet sein, die Eberl noch einmal lobte: "Florian Mayer und Jordan Louis Beyer werden wir komplett dazu nehmen, Moritz Nicolas ist als dritter Torwart ja schon dabei. Unser Niveau hat sich in den letzten Jahren enorm gesteigert." Zwar gebe es im Nachwuchsleistungszentrum derzeit nicht "diese totale Breite" an Top-Talenten, doch Eberl befindet: "Wenn ich die Spitze nehme, all die Spieler, die in den vergangenen Monaten bei den Profis mittrainiert haben, dann ist das immer eine gute Qualität."


Für die Kaderplanung werde man allerdings auch Leihgeschäfte wie die von Reece Oxford in Betracht ziehen müssen: "Wenn du keinen großen Transfer machen kannst, auf einer Position aber noch ein Loch im Kader hast, musst du den Weg der Leihe immer im Hinterkopf haben, um zumindest die nächste Saison zu überbrücken."

FC Schalke 04 v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga

                    Ist bei den Fans nicht unumstritten: Trainer Dieter Hecking


Rückendeckung gab es im Anschluss für Dieter Hecking: "Ich weiß, dass Dieter auch für diese Saison Ansätze hatte, die er aber aufgrund fehlender Qualität durch Verletzungen oftmals nicht umsetzen konnte." Der 53-jährige Übungsleiter wolle sich "am Ziel Europa messen lassen", wenn alle Spieler fit sind. "Da ist er übrigens offensiver als ich", so Eberl, der erneut um Geduld in der Frage um eine Vertragsverlängerung bat: "Wir werden den richtigen Zeitpunkt finden, und bis zum Start der neuen Saison werden wir gesprochen haben. Seiner Frau muss man auch nicht jeden Tag sagen: 'Ja, wir bleiben zusammen.‘ Die Frage nach der Zukunft des Trainers brauche ich nicht jede Woche."