Im internationalen Klassiker zwischen Bayern München und Real Madrid lieferten sich beide Mannschaften über 90 Minuten ein interessantes Duell, in dem die 'Königlichen' vor dem gegnerischen Tor einen kühleren Kopf bewahrten und die wenigen Chancen, die sie hatten, eiskalt nutzten. Den Bayern fehlte zum Ende hin das Tempo und hatte über weite Strecken ein Chancenplus, konnten dieses jedoch nicht ausnutzen. Aufgrund des entscheidenden Fehlers von Rafinha steht der Deutsche Meister nun vor einer schweren Aufgabe im Rückspiel.


​Jupp Heynckes setzte auf ein 4-1-4-1 mit Kimmich, Boateng, Hummels und Rafinha für den verletzten Alaba. Im Mittelfeld agierten Javi Martinez, Müller, James Robben und Ribery, im Angriff startete Lewandowski.


Zinedine Zidane vertraute auf ein 4-3-3 mit Carvajal, Varane, Rückkehrer Ramos und Marcelo in der Abwehr. Das Mittelfeld bestand aus Casemiro, Kroos und Modric, während auf den Flügeln Isco, Lucas Vazquez und in der Spitze Ronaldo aufliefen. Benzema und Bale begannen lediglich auf der Bank.


Frühe Verletzungssorgen


Das Spiel begann ausgeglichen. Beide Mannschaften liefen bei Ballbesitz des Gegners früh an, zogen sich jedoch etwas weiter in die eigene Hälfte zurück, wenn sich das Spiel dorthin zu verlagern drohte. Vor allem von Real wurden die Zweikämpfe teilweise hart geführt, weshalb Jupp Heynckes bereits während der ersten Halbzeit zwei Mal verletzungsbedingt wechseln musste: Nach acht Minuten ersetzte Thiago Robben, nach 34 Minuten musste Süle für Boateng in die Partie.

Bayern Muenchen v Real Madrid - UEFA Champions League Semi Final Leg One

       Bitter: Nach nicht einmal zehn Minuten musste Arjen Robben verletzt vom Feld



Chancen gab es in den ersten Minuten wenig, da beide Mannschaften gegenseitig pressten und sich das Spielgeschehen weitestgehend im Mittelfeld abspielte. Der erste Abschluss folgte daher aus der zweiten Reihe, als Rafinha einfach mal draufhielt, doch Navas parierte sicher (19.). Danach gewannen die Madrilenen an Spielkontrolle, setzten die Bayern stetig unter Druck und eroberten die Münchner Hälfte nach und nach. 


Real mit Druck - Kimmich überrascht Navas


Doch genau in dieser Phase schlugen die Gastgeber zu: Real war zu weit aufgerückt, weshalb sich die Bayern einfach auf der rechten Außenbahn durchkombinierten und Kimmich völlig frei in den Strafraum eindringen konnte. Der Rechtsverteidiger fand keinen Abnehmer in der Mitte und probierte es aus spitzem Winkel selbst, wobei er von einem Fehler von Real-Keeper Navas profitierte: Der Costa Ricaner erwartete einen Ball ins Zentrum und vergriff sich daher bei Kimmichs hartem Schuss ins kurze Eck - 1:0 für Bayern (28.)!

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           Böser Patzer: Bei dem Gegentor sah Navas alles andere als gut aus



Der Führungstreffer tat den Münchnern gut, nachdem Real langsam aber sicher immer gefährlicher wurde. In der Folge gab es weitere Chancen: Zunächst versprang Ribery der Ball (34.) im Strafraum, ehe Hummels nach einem Eckball knapp über die Latte schoss (41.). Kurz vor der Pause dann der Schock auf der Gegenseite: Eine Flanke von rechts konnte nicht entscheidend geklärt werden, weshalb der aufgerückte Marcelo vom Strafraumrand aus sein Glück probierte - 1:1! Ulreich war bei diesem harten Schuss machtlos, Heynckes ärgerte sich sichtlich (44.).

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                 Gekonnt: Marcelo mit dem Ausgleichstreffer kurz vor der Pause



Die Bayern hatten das deutliche Chancenplus (9:4 Abschlüsse), doch Real war effizienter. Der zweite Durchgang begann ähnlich wie vor dem 1:0 der Bayern. Die 'Königlichen' standen hoch, machten Druck und ließen den Bayern kaum Raum für eigene Angriffe. Die Münchner blieben jedoch ruhig und hatten in der 51. Minute die erste Gelegenheit, doch Varane klärte unmittelbar vor Müller, der nach einer Einzelaktion von Ribery nur noch ins leere Tor hätte einschieben müssen. 


Real eiskalt


Konnte Bayern Tempo aufziehen, bekam Real Schwierigkeiten. Insbesondere Ribery brachte Carvajal immer wieder in Verlegenheit, doch nach einem gravierenden Fehler von Rafinha gelang dem Titelverteidiger der Führungstreffer: Ein Münchner Eckball wurde in Richtung Mittellinie geschlagen, wo Kimmich auf Rafinha ablegte. Der Brasilianer wollte den direkten Rückpass spielen, servierte das Leder jedoch Asensio auf dem Präsentierteller. Dieser nahm Vazquez mit, wurde vom Angreifer kurz vor dem Strafraum wieder bedient und versenkte den Ball im Netz - 2:1 Real (57.)!


Bayern gefordert - verpasst jedoch mehrfach


Die Hausherren blieben unbeeindruckt und wirbelten vor allem über die linke Seite, doch Ribery wollte einfach kein Tor gelingen. Der Franzose kam drei Mal zum Abschluss - zwei Mal konnte Navas parieren, der dritte Versuch landete im Toraus (59., 62., 69.). Es ging weiter auf das Tor von Keylor Navas, da die Mannschaft von Zinedine Zidane nun auf Konter lauerte und etwas passiver wurde. 


Nach 70 Minuten standen 57 Prozent Ballbesitz und 13 Torschüsse auf dem Konto der Münchner, doch Real, das ein Plus an Zweikämpfen vorzuweisen hatte, blieb über Gegenstöße gefährlich. Dabei wurde es zwei Mal knapp: Zunächst traf Ronaldo nach einem langen Anspiel das Tor, welches aufgrund eines Handspiels bei der Ballannahme folgerichtig nicht gegeben wurde (71.). Wenige Minuten später tankte sich der eingewechselte Benzema gegen Hummels durch, scheiterte jedoch am gut reagierenden Ulreich (76.).

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       Franck Ribery (r.) war der auffälligste Münchner, konnte dem Spiel jedoch nicht                                                          seinen Stempel aufdrücken



In den Schlussminuten ging es Real darum, die Führung über die Zeit zu retten. Bayern hingegen fehlte offensiv das Tempo, vielleicht auch etwas Kraft und wurde kaum gefährlich. Bitter: Auch der dritte Wechsel erfolgte verletzungsbedingt. Javi Martinez bekam einen Schlag an den Kopf und wurde von Tolisso ersetzt (75.). In der gab es nur eine nennenswerte Aktion: Nach einem Pass von Tolisso stand Lewandowski frei vor Navas, verpasste das Tor allerdings knapp (88.). Das hätte der Ausgleich sein müssen!


Durch die Heimniederlage steht der FC Bayern München vor der gleichen Aufgabe wie im vergangenen Viertelfinale: In Madrid muss nun mindestens ein 2:0-Sieg her, um doch noch in das Finale von Kiew einzuziehen. Real hingegen dürfte mit dem Sieg zufrieden sein und dank der guten Ausgangslage mit einer positiven Stimmungslage in das Rückspiel am kommenden Dienstag gehen.