​Bei Borussia Dortmund kann der Fan in Anbetracht der vielen Nebengeräusche der bisherigen turbulenten Saison leicht vergessen, dass einige vielversprechende Talente derzeit bei anderen Klubs verweilen. Vor allem sollte man die Aktie von Felix Passlack genau beobachten.


Sobald der Name des 19-Jährigen in den Medien fällt, wird im Zusammenhang mit dem Transfer von Jeremy Toljan von einem Flop-Tauschgeschäft gesprochen, bei dem es nur Verlierer gibt. Während der BVB-Neuzugang in Dortmund vor allem durch seine defensiven Schwächen auffällt, vermisst Passlack die nötige Spielpraxis bei den TSG-Profis. Beim gebürtigen Bottroper reicht es seit Monaten nicht für eine Kadernominierung, zumeist verweilt Passlack deshalb an den Wochenenden bei der zweiten Mannschaft in der Regionalliga.

1. FSV Mainz 05 v TSG 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Felix Passlack (r.) kam für die TSG Hoffenheim in dieser Saison bislang dreimal in der Bundesliga und elfmal in der Regionalliga zum Einsatz



Passlack analysiert im Gespräch mit 90min.de nüchtern die Gründe für seine derzeitige Situation bei den Profis: "Es ist nicht ganz so einfach, sich in Hoffenheim als junger Spieler und Neuzugang direkt in die Stammformation zu spielen. Die Ansprüche vom Trainer sind sehr hoch, was auch sehr gut so ist und das Training und der hohe Anspruch im taktischen Bereich ist für viele Spieler erst einmal eine größere Umstellung. Außerdem hatte der Trainer nach den vielen erfolgreichen Spielen keinen Grund zu wechseln."


Unter diesen Umständen die komplette Sommervorbereitung zu verpassen, war deshalb natürlich nicht gerade von Vorteil, "aber das Trainerteam hat mich nach meiner Ankunft intensiv dabei unterstützt, die Grundlagen so schnell wie möglich aufzuholen".


Der Comeback-Plan steht


Der variabel einsetzbare Außenverteidiger sieht die bisherige Spielzeit nicht als verloren an, die Monate unter Cheftrainer Julian Nagelsmann haben Passlack fußballerisch und taktisch weitergebracht: "Ich habe mich in allen Bereichen verbessert, aber Julians Verständnis von Fußball und sein Wissen im taktischen Bereich sind schon eine Erfahrung." 


Der 30-jährige Trainer hat laut Passlack "eine klare Philosophie und viele verschiedene Formationen, Systeme und Pläne im Kopf, wie er ein Spiel angeht. Er ist sehr kommunikativ und sein Training ist sehr anspruchsvoll, das hilft und fordert vor allem uns junge Spieler extrem." Der vom BVB ausgeliehene Akteur weiß, dass er im Training "hochkonzentriert sein und schnell umschalten" muss. 

U20 Germany v U20 Italy - International Friendly

Felix Passlack darf auch bei der U20-Nationalmannschaft Spielpraxis sammeln



Da Nagelsmann auch in der kommenden Saison die Kraichgauer trainieren wird, weiß Passlack genau, worauf er sich einstellen muss. Im Kraichgauer System ist der Außenverteidiger offensiv sehr gefordert, was dem ehemaligen Stürmer zugute kommt. "Es hilft auf jeden Fall, laufstark zu sein, gute Flanken schlagen zu können und Ruhe am Ball auszustrahlen", sagt Passlack. "Durch regelmäßige Einsätze verinnerlicht man das natürlich am besten."


Die Umstände sehen düster aus, aber in der Realität macht sich Passlack keinen Druck: "Die Eingewöhnungszeit muss man sich gerade als junger Spieler geben, wobei ich mir natürlich schon langsam einen festen Kaderplatz erkämpfen möchte. Das geht vor allem über konstant gute Trainingsleistungen und Spielpraxis bei der U23."


Mithilfe des Trainers und Konkurrenten wie Pavel Kaderabek, von dem Passlack "sehr viel mitnimmt", soll also in der nächsten Saison alles besser werden. Der ursprüngliche Leih-Plan wird weiterhin verfolgt: "Ich möchte mich bei der TSG durchsetzen. Ich habe hier einen laufenden Vertrag bis 2019, den ich erfüllen möchte. Über alles andere mache ich mir keine Gedanken."


Vieles spricht für eine Verbesserung der Lage


An Kaderabek gibt es derzeit kein Vorbeikommen, in der nächsten Spielzeit spricht jedoch einiges für eine veränderte Lage im Falle Passlack. Der tschechische Nationalspieler könnte den Verein schon im kommenden Sommer für festgeschriebene 20 Millionen Euro verlassen, zudem winkt der TSG eine erneute Qualifikation fürs europäische Geschäft.


Passlack hat ein neues System verinnerlicht, sich fußballerisch und taktisch verbessert und gezeigt, dass er auch mit schwierigen, sportlichen Situationen umgehen kann. Das bei seiner letzten BVB-Saison verursachte Spielpraxis-Problem sollte spätestens bei der kommenden Sommer-Vorbereitung keine Ausrede für Nagelsmann sein, um Passlack nicht mehr zu berücksichtigen.

VfL Bochum v Borussia Dortmund - Preseason Friendly

Der Vertrag von Felix Passlack läuft beim BVB bis 2021



Und dies sollte vor allem Fans der Dortmunder Borussia positiv stimmen. Es ist nicht lange her, dass Passlack als 17-Jähriger in der Champions League auftrumpfte und sich als qualitative Kader-Option erwies. Das Talent, das zum Gewinn der Fritz-Walter-Medaille in Gold für U17-Spieler geführt hat, ist weiterhin da. Und auch die Leader-Qualitäten des deutschen U20-Nationalspielers werden unterschätzt. Nun folgt die restliche Mixtur für eine erfolgreiche sportliche Zukunft.


Passlack hat einen guten Grund, um sich in Hoffenheim ins Zeug zu legen. Die Außenverteidiger-Position sucht in Dortmund nach nachhaltigen Lösungen, da Lukasz Piszczeks Karriere dem Spätherbst entgegen geht und Marcel Schmelzer auf der linken Seite nicht immer sicher aussieht. Es wird also nicht lange dauern, bis die Dortmunder Verantwortlichen den 1,70 Meter großen Trumpf für dieses Problem spielen.