In Russland will die deutsche Nationalmannschaft in knapp zwei Monaten die Mission Titelverteidigung angehen. Auf der Problemposition hinten links gilt Jonas Hector als gesetzt. Dahinter setzt der Bundestrainer wohl auf Herthas Marvin Plattenhardt. Oder kann ihm Nico Schulz den Platz noch streitig machen? Der Hoffenheimer hat sich in den vergangenen Wochen ins Rampenlicht gespielt - zuletzt unter den Augen von Löw.


​Knapp zwei Monate vor Beginn der WM in Russland nähert sich die Kadernominierung von Bundestrainer Joachim Löw. Am 15. Mai, drei Tage nach dem Ende der Bundesligasaison, gibt der DFB-Coach ein vorläufiges Aufgebot bekannt. Bis zum 4. Juni muss bei der FIFA dann der endgültige 23-Mann-Kader eingehen.


Auf einigen Positionen hat Löw dabei die Qual der Wahl. Insbesondere die Torwartfrage und die Besetzung des Angriffs sind viel diskutierte Themen. Auf der linken Abwehrseite ist der amtierende Weltmeister dagegen nicht gerade üppig besetzt. Seit Jahren ist die Linksverteidiger-Position die Problemzone beim DFB. Beim Titelgewinn in Brasilien musste dort Innenverteidiger Bennedikt Höwedes ran, bei der EM in Frankreich war Jonas Hector gesetzt.


Der Noch-Kölner dürfte dort auch in Russland der Platzhirsch sein, dahinter hatte sich zuletzt Herthas Marvin Plattenhardt positioniert. Sechs Länderspiele hat der 26 Jahre alte Confed-Cup-Sieger bislang bestritten. Zuletzt durfte er bei der 0:1-Testspielniederlage gegen Brasilien 90 Minuten ran. "Marvin hat im November gegen Frankreich richtig gut gespielt und ist mit Jonas Hector der WM-Kandidat als Linksverteidiger“,​ erklärte Löw schon vor der Partie gegen die Selecao. Das klang, als ob die WM-Besetzung bereits feststeht.

Germany v Brazil - International Friendly

Herthas Marvin Plattenhardt stand beim letzten DFB-Test gegen Brasilien in der Startelf.



Sticht Schulz Kumpel Plattenhardt aus?


Die Bild spekuliert nun aber über einen anderen potenziellen Russland-Fahrer auf der Position hinten links. Und der heißt nicht etwa Philipp Max, der beste Vorlagengeber der Liga vom FC Augsburg. Der hat von Löw nämlich schon indirekt eine Absage erhalten. Vielmehr bringt das Boulevard-Blatt Hoffenheims Nico Schulz ins Spiel. Der kam nach zwei enttäuschenden Jahren vor der Saison aus Gladbach und ist derzeit bei Julian Nagelsmann gesetzt. In den vergangenen Wochen präsentiert sich Schulz dabei in beeindruckender Verfassung - wie zuletzt beim 2:0-Sieg über den HSV vor den Augen des Bundestrainers.

"Ich fühle mich gut, bin gut drauf“, versichert Schulz der Bild. "Wenn er [Löw, Anm. d. Red.] anruft, freue ich mich schon. Ich weiß aber, fünf, sechs gute Spiele reichen nicht“, meinte er zu den Aussichten auf ein WM-Ticket. Schulz bleibt bescheiden - verständlich, wenn man bedenkt das Löw gerne an etablierten Spielern festhält und vor den Tests gegen Spanien und Brasilien offenbarte, dass der Spalt für Neulinge extrem klein sei.

TSG 1899 Hoffenheim v Hamburger SV - Bundesliga

Ein Kandidat für Löw? Hoffenheims Nico Schulz (r.) ist aktuell in bestechender Form.


Durch die Teilnahme an der WM-Generalprobe im vergangenen Jahr darf sich Plattenhardt hingegen zu der Riege der Etablierteren zählen. Sollte nichts außergewöhnliches passieren dürfte er vor seinem Kumpel Schulz die Nase vorn haben. Die beiden sind seit gemeinsamen Hertha-Tagen miteinander befreundet  - und dass, obwohl sie in der Saison 2014/15 Konkurrenten in Berlin waren. 


"Ich kenne Nico sehr gut, wir sind oft in Kontakt, haben uns letzte Woche erst hier in Berlin getroffen. Er hat sich toll entwickelt. Aber ich schaue nur auf mich, will meine Leistung bestätigen und weiter Gas geben. Der Bundestrainer wird schon seine Kandidaten haben, mal sehen wer am Ende dabei ist“, erklärte Plattenhardt.


Technik gegen Dynamik


Vieles spricht für den Hertha-Profi. Löw kennt ihn genau, Plattenhardt spielt sehr konstant und hat seine Tauglichkeit auch schon gegen große Gegner angedeutet. Schulz dagegen wäre ein enormes Risiko - auch wenn seine Stärken durchaus reizvoll sind. Denn der Hoffenheimer Linksverteidiger ist es gewohnt sowohl in einer Vierer-, als auch vor einer Dreierkette zu spielen und besticht durch enormes Tempo und Dynamik.