Bei Borussia Mönchengladbach droht nach einer frustrierenden Saison die Lage zu eskalieren. Während das Team von Dieter Hecking sein Potenzial auf dem Platz meist nicht abrufen kann, sind auch die Anhänger in der Nordkurve tief gespalten. Fohlen-Keeper Yann Sommer bekommt das zu spüren und sieht sich seit Beginn des Jahres Mobbing-Attacken von den eigenen Fans ausgesetzt.


Frust am Niederrhein. Nach außen hin gibt sich Gladbachs Sportdirektor Max Eberl zwar kritisch und will nach einer durchwachsenen Saison, in der die Fohlen Europa erneut zu verpassen drohen, alles hinterfragen. Dennoch bezeichnet Eberl die Spielzeit durchaus als "normal". Für Gladbach sei der Europapokal nur dann möglich, wenn alles "optimal" laufe - die vielen Verletzungen und die Formschwäche einiger wichtiger Spieler hätten aktuell zu Platz acht und sechs Punkten Rückstand auf das obere Tabellendrittel geführt.


Doch am Borussia-Park rumort es viel heftiger als es Eberl darstellt. Die Fohlen-Fans sind frustriert, einige Anhänger gehen schon seit geraumer Zeit auf die Mannschaft los. Die ​Stimmung im Stadion ist dementsprechend schlecht, worüber sich auf der Mitgliederversammlung am Montag viele beschwerten. 


Anhänger in der Nordkurve gespalten


Schon Mitte Februar wurde in einer Stellungnahme des "Fanprojekt" [von der Borussia anerkannte Dachorganisation, Anm. d. Red.] deutlich, dass unter den Anhängern am Niederrhein Uneinigkeit herrscht: "Unser ge­ne­rel­les Mit­ein­an­der lässt zu wün­schen übrig. Wir gif­ten uns mehr ge­gen­sei­tig an, statt di­rekt mit­ei­nan­der zu de­bat­tie­ren. Ein Teil der Fan­sze­ne spricht dem an­de­ren ab, das Wohl Bo­rus­si­as an die obers­te Stel­le zu set­zen. In den Me­di­en ist von Wich­ti­gtue­rei die Rede.“


Torhüter Yann Sommer trifft der Zorn einiger Gladbach-Fans offenbar besonders. Der Schweizer Nationalkeeper ist seit Anfang des Jahres Mobbing-Attacken der eigenen Anhänger ausgesetzt. "Yann wird schon beim Warmmachen von einer kleinen Gruppe am Zaun mit unappetitlichen Ausdrücken beschimpft. Erstmalig ist das Januar gegen Augsburg passiert. Yann kriegt das natürlich mit und hat schon überlegt, sich auf der anderen Seite warmzumachen. Das tut ihm nicht gut“, bestätigte Eberl gegenüber der ​Bild.

Sommer wehrt sich gegen Mobbing der eigenen Fans


Nach dem ​glücklichen 2:1-Heimsieg gegen Hertha BSC war die ​Stimmung im Borussia-Park am Tiefpunkt. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus wurde von den Fohlen-Anhängern übel beschimpft, die eigene Mannschaft aufgrund der erneut durchwachsenen Leistung abgestraft. Sommer wollte nach der Partie die Fans zur Rede stellen und diskutierte hinter seinem Tor mit den Kritikern aus der Nordkurve. 

Borussia Moenchengladbach v Hertha BSC - Bundesliga

Nicht nur Sommer diskutierte nach dem Hertha-Sieg mit den Fans: Auch Christoph Kramer (m.) und Kapitän Lars Stindl (r.) stellten sich dem Unmut.


Der 29-Jährige wollte sich die Attacken aus dem eigenen Lager wohl nicht mehr gefallen lassen. Kein Wunder, dass sich der sonst so souveräne Keeper zuletzt einige Patzer erlaubte. Wie beim 1:5 in München, als er beim zweiten Gegentor durch Sandro Wagner eine unglückliche Figur abgab. "So einen hält Yann natürlich normalerweise“, meinte Eberl. Der Keeper gibt zu: "Natürlich prallt das nicht einfach so an einem ab. Natürlich haben die Fans das Recht, Kritik zu äußern. Aber nicht auf diese Weise.“


Die Fans schneiden sich mit den Attacken gegen ihren Torhüter ins eigene Fleisch. Eine ohnehin schon verunsicherte Mannschaft wird damit weiter geschwächt. In Sommer trifft es dabei einen loyalen Profi, der sich stets vorbildlich verhalten hat. 2014 wurde der Schweizer als Nachfolger für Marc-André ter Stegen verpflichtet und besitzt am Niederrhein noch einen Vertrag bis 2021. Ob er diesen auch erfüllen wird, scheint nach den Entgleisungen der Fans fraglich.