Gladbachs Sportdirektor Max Eberl gab nach dem Sieg gegen Berlin offen zu, sich "von der Europa-Thematik viel zu sehr treiben" gelassen zu haben. Nach einer enttäuschenden Rückrunde sind die Hoffnungen auf die Europa League trotz Rang acht und nur drei Zähler Rückstand gering. Im Sommer soll eine schonungslose Analyse folgen.


In der Rückrunde ist bei Borussia Mönchengladbach einfach der Wurm drin - und das trotz des ​2:1-Erfolgs gegen Hertha BSC. Seit dem Jahreswechsel war es erst der dritte Sieg für die Fohlen. Jeweils vier Spiele ohne Dreier lagen zwischen Rückrundensieg Nummer zwei und drei.


Die Gründe dafür sind vielfältig: Ein Hauptargument ist die große Verletztenmisere am Niederrhein. Dazu kommt aber auch, dass Leistungsträger wie Kapitän Lars Stindl oder Thorgan Hazard oftmals hinter den Erwartungen zurückblieben. Beim Belgier kann man darauf hoffen, dass es nach seinem Doppelpack beim äußerst glücklichen Erfolg gegen Berlin wieder aufwärts geht.


Dennoch: Der Frust ist groß bei den Gladbachern. Das zeigte die Fan-Wut nach dem späten 2:1 am vergangenen Samstag deutlich. Nach Rang neun im vergangenen Jahr war die Hoffnung groß, wieder ein Platz im oberen Tabellendrittel angreifen zu können. Von Sportdirektor Max Eberl und Trainer Dieter Hecking wurde dieser auch ​deutlich als Ziel ausgegeben.


"Das ist das, was ich mir dieses Jahr als Fehler vorwerfen muss. Wir haben uns von der Europa-Thematik viel zu sehr treiben lassen. Ich weiß, dass Mönchengladbach in den letzten Jahren Großartiges geleistet und ich weiß, dass Gladbach in den letzten fünf Jahren viermal Europa erreicht hat und ich weiß, dass es für viele damit gesetzt ist, dass wir es immer sind. Das sind wir aber nicht", gab Eberl im ZDF "Sportstudio" am Samstag unumwunden zu. "Wo wir gerade stehen, das ist aus unterschiedlichen Gründen das Niveau, das wir haben. Wir wollen einfach die letzten fünf Spiele bestmöglich gestalten. Und dann wird man sehen, was am Ende dabei rauskommt", so der 44-Jährige weiter.


Eberl kündigt schonungslose Analyse im Sommer an


Der angestrebte Europa-Rang wird nur schwer zu erreichen sein. Auch wenn der Rückstand auf Platz sieben, der dank der Konstellation im DFB-Pokalhalbfinale reichen könnte, nur drei Zähler beträgt. Auf dem steht derzeit mit Hoffenheim aber ein Team, das sich in den vergangenen Wochen deutlich stabiler präsentiert hat. Die Gladbacher dagegen müssten sich in den letzten fünf Saisonspielen deutlich steigern.


Der Auftritt gegen die Hertha legt das aber nicht unbedingt nahe. Als kreativ-, ideen- oder planlos konnte man die Spielweise der Fohlen gerade im ersten Durchgang bezeichnen. Vom Offensivfußball vergangener Tage scheint nicht mehr viel übrig zu sein. Das liegt womöglich auch an der Konstellation im Angriffszentrum. Dort spielen mit Kapitän Stindl und Rafael zwei gelernte Mittelfeldspieler. Solange die beiden regelmäßig getroffen haben, profitierte Gladbach von deren Spielstärke. Nun kommt das Duo 2018 zusammen auf zwei Treffer - Hazard gelang vor seinem Doppelpack gegen die Hertha ebenfalls nur ein mageres Törchen im neuen Jahr.


"Ich glaube, dass wir in den letzten Jahren mit unseren beweglichen Stürmern sehr gut und sehr erfolgreich waren. Wir sind aber jetzt auch ​ein Stück weit berechenbar geworden und man weiß, wie wir im Sturm spielen", ist sich Eberl der Angriffsproblematik bewusst.

Neben den Spielern, die "teilweise ihre Leistungen nicht gebracht" hätten, wollte Eberl aber auch sich selbst und Dieter Hecking nicht aus der Fehlerkette ausschließen. Der Fohlen-Sportdirektor kündigte an, nach der Saison eine offene und konsequente Analyse betreiben zu wollen. Diese werde mit Dieter Hecking stattfinden, dessen Vertrag noch bis 2019 läuft. Erst dann soll entschieden werden, ob eine Verlängerung der Zusammenarbeit infrage kommt, so Eberl. Große Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation im Saisonfinale und den Last-Minute-Sprung nach Europa klangen bei Eberl nicht durch.