​Beim Testspiel am Dienstagabend musste sich die deutsche Nationalmannschaft im Berliner Olympiastadion der brasilianischen Auswahl mit 0:1 geschlagen gegen. Gabriel Jesus brachte die 'Selecao' in einer von Taktik geprägten Partie in der 38. Spielminute in Führung. Bei den Deutschen fehlte in der Offensive der letzte Zug zum Tor und so mussten sich die Gastgeber zum ersten Mal seit 22 Spielen wieder einmal geschlagen geben.


Deutschland - Brasilien 0:1 (0:1)

Tore: 0:1 Gabriel Jesus (38.)


Bundestrainer Joachim Löw stellte wie angekündigt seine Startelf im Vergleich zum 1:1 gegen Spanien auf gleich sieben Positionen um. Nur Jerome Boateng, Joshua Kimmich , Toni Kroos und Julian Draxler blieben im Team. Im Tor durfte sich Kevin Trapp beweisen. Auf der Linksverteidigerposition rückte Marvin Plattenhardt für Jonas Hector in die erste Elf. Im defensiven Mittelfeld ersetzte Ilkay Gündogan Sami Khedira und in in der vordersten Offensivreihe stürmte Mario Gomez anstatt Timo Werner.


Brasilien-Coach Tite setzte hingegen von Beginn auf Kontinuität und veränderte seine Anfangsformation, nach dem souveränen 3:0-Testspielerfolg gegen Russland, nur auf einer Position. Fernandinho kam für den ehemaligen Münchner Douglas Santos, dafür agierte Philippe Coutinho offensiver als zuletzt. Auf Starspieler Neymar mussten die Ballzauberer vom Zuckerhut, wie bereits bei dem legendären 7:1-Kantersieg der Deutschen vor vier Jahren, verletzungsbedingt verzichten.


Vor 72.717 Zuschauern im Berliner Olympiastadion tasteten sich beide Mannschaften zu Beginn gegenseitig ab. Die Deutschen hatten dabei etwas mehr Ballbesitz. Brasilien lief die deutsche Defensive nicht so früh an, wie die Spanier beim Testspiel am vergangenen Freitag. Dennoch war das Aufbauspiel der Mannschaft von Joachim Löw nicht präzise genug und so kam es in der Anfangsviertelstunde auf beiden Seiten zu keinen klaren Torchancen.


Der 'Selecao' war anzumerken, dass sie das Spiel sehr ernst nahmen. In den Zweikämpfen zeigte sich die Mannschaft von Trainer Tite sehr robust. In der Folge konnten sich beide Mannschaften vermehrt ins letzte Angriffsdrittel durch kombinieren.In der 17. Spielminute ließ Ilkay Gündogan die bis dahin beste Chance der Gastgeber liegen. Nach einer Vorlage von Julian Draxler, geriet er bei seinem Abschluss in Rückenlage und jagte das Leder in den Berliner Nachthimmel.

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Der Treffer von Gabriel Jesus war Balsam für die brasilianische Seele


​Auch danach war die Partie sehr von Taktik geprägt. Beide Mannschaften ließen nur wenig zu. Bei den Deutschen versuchte Leroy Sane gelegentlich für Überraschungsmomente zu sorgen, dabei trennte er sich aber mehrmals zu spät vom Ball und verhedderte sich in Eins-gegen-Eins-Situationen. Kurz darauf konnten die Gäste aus Südamerika in der 37. Spielminute durch Angreifer Gabriel Jesus etwas überraschend in Führung gehen. Nach einer Flanke von Willian, war der 20-Jährige zur Stelle und köpfte den Ball wuchtig mittig aufs Tor. Kevin Trapp konnte das Leder aus kurzer Distanz nicht mehr über die Latte lenken.


Bangen um Boateng - Trapp aus kurzer Distanz zur Stelle


Zur Pause verzichteten beide Teams auf einen Wechsel. Ein weiteres Indiz dafür, dass beide Nationaltrainer das Testspiel ernst nahmen. In der 50. Spielminute kam es zu einem kurzen Schreckmoment für die Deutschen. Jerome Boateng blieb nach einem Foulspiel von Gabriel Jesus zunächst liegen. Nach einer kurzen Pause konnte der Innenverteidiger jedoch weitermachen. Vier Minuten später war Kevin Trapp nach einem Schuss von William aufs kurze Eck zur Stelle und konnte nach dem unglücklichen Gegentor wieder Selbstvertrauen tanken.


Die Brasilianer kamen insgesamt besser aus der Kabine und konnten 'die Mannschaft' phasenweise weit zurück drängen. Nach einer Stunde kamen Lars Stindl und Julian Brand für Leon Goretzka und Leroy Sane in die Partie. Sowohl der Lockenkopf von Manchester City, als auch der Schalker konnten nicht unbedingt Werbung in eigener Sache machen. Zudem ersetzte Sandro Wagner den unauffälligen Mario Gomez.

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Joachim Löw war mit dem Auftritt seiner Mannschaft nicht sonderlich zufrieden


Auch nach 25 Minuten in der zweiten Spielhälfte, wollte kein Spielfluss aufkommen und so plätscherte die Partie vor sich hin. In der 72. Spielminute tauschten auch die Gäste zum ersten Mal aus. Douglas Costa kam für Philippe Coutinho. Der Offensivspieler vom FC Barcelona war bis dahin der größte Aktivposten bei den Südamerikanern gewesen und konnte in einigen Situationen andeuten, wieso er einer der teuersten Spieler aller Zeiten ist.


Deutschland versuchte nun vermehrt Sandro Wagner durch Flanken in den Sechzehner in Szene zu setzen. Der Bayern-Profi warf sich dabei mit Feuereifer in jeden Ball, im Abschluss fehlte aber auch dem 30-Jährigen das nötige Quäntchen Glück. Insgesamt zeigte sich die deutsche Mannschaft über weite Strecken der Partie nicht so spritzig und kreativ, wie gegen die 'Furia Roja' am Freitag. Somit ging der Sieg für die Brasilianer unterm Strich in Ordnung, obwohl auch bei den Gästen noch Luft nach oben zu erkennen war.