Fortuna Düsseldorf steht vor der Rückkehr in die Bundesliga. Ein Garant für den Erfolg ist Schlussmann Raphael Wolf. Der Vertrag von Fortunas Keeper läuft im Sommer aus - ein neues Vertragsangebot liegt längst auf dem Tisch. Doch Wolf zögert: Der HSV scheint großes Interesse am 29-Jährigen zu haben. Sein aktueller Trainer warnt.


Raphael Wolf hat mit seinen 29 Jahren bereits eine bewegte Karriere hinter sich. Der gebürtige Münchener wechselte im Sommer 2014 von der Jugend der Spielvereinigung Unterhaching in den hohen Norden zum HSV. Dort gelang dem Schlussmann der Durchbruch zum Profi nicht endgültig, es folgte 2009 der Wechsel nach Österreich zum SV Kapfenberg.


Die Hansestadt ist damals dennoch zu seiner Wahl-Heimat geworden. Frau Daniela und sein achtjähriger Sohn Colin Noah leben bis heute an der Elbe. Nach drei Jahren in Kapfenberg ging für Wolf die Nord-Süd-Wechslerei weiter - er unterschrieb bei Werder Bremen. Fünf Jahre später war seine Zeit an der Weser abgelaufen und Wolf unterschrieb für ein Jahr als Nummer zwei bei Fortuna Düsseldorf.


Wolf weckt mit starken Leistungen Begehrlichkeiten


Beim Zweitliga-Spitzenreiter profitierte er schnell vom Rippenbruch des eigentlichen Stammkeepers Michael Rensing und entwickelte sich seit dem vierten Spieltag zum besten Torhüter der Zweiten Liga. Auch wegen den starken Leistungen von Wolf steht die Fortuna mit neun Punkten Vorsprung auf Rang drei vor der Rückkehr in die Bundesliga. Längst liegt Wolf ein neues Vertragsangebot über drei weitere Jahre in Düsseldorf vor. Reagiert hat er bislang darauf allerdings noch nicht. "Wir haben uns bereits mächtig gestreckt, mehr ist nicht möglich", betont Fortuna-Boss Robert Schäfer gegenüber der Bild.


Wolf will dennoch weiter abwarten. "Es ist ein Fakt, dass mein Vertrag ausläuft. Alles andere will ich nicht kommentieren. Das ergibt keinen Sinn", sagt Wolf zu RP-Online und fügt an: "Ich brauche auch nicht zwingend im nächsten Monat schon Klarheit. Da spüre ich keinen Druck. Aber klar: Ich habe auch eine Familie im Rücken. Da will man auch irgendwann planen, wie es weitergeht, wo der Kleine zur Schule geht und so weiter."

Grund für sein Zögern ist wohl das Interesse seines Jugendklubs. Der HSV könnte den Neuanfang (wahrscheinlich in der Zweiten Liga) mit Wolf im Tor starten. Christian Mathenia und Julian Pollersbeck dürften dann den HSV verlassen. "Ich fühle mich sehr wohl in Düsseldorf, aber natürlich ist und bleibt auch der HSV, mein erster Club, immer besonders für mich", wird Wolf vom Hamburger Abendblatt zitiert. 


Fortuna-Coach Funkel warnt seinen Keeper


Für die Rückkehr in seine Wahlheimat könnte Wolf auf den Aufstieg in die Bundesliga verzichten. Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel könnte das nicht verstehen. ”Ich an seiner Stelle wäre vorsichtig”, warnt der 64-Jährige. "Hamburg hat zwei Torleute. Man weiß doch gar nicht, wer da das Sagen hat. Wir bieten ihm einen Dreijahresvertrag. Das musst du in dem Alter erst mal kriegen, das zeigt auch unsere Wertschätzung für ihn und unser Vertrauen in ihn. Das sollte er auch abwägen”, betont Funkel gegenüber der Bild. Kurios: Beim HSV ist aktuell Thomas von Heesen interimsmäßig als Sportdirektor tätig. Wolf hatte unter dem Trainer von Heesen eine Saison beim SV Kapfenberg gespielt. 

Sein aktueller Coach rät seinem Stammkeeper, er solle sich an seine Situation im vergangenen Sommer erinnern: "Er stand vor der Saison auf der Straße, hatte keinen Verein. Bei uns hat er sich ins Rampenlicht gespielt. Für Torhüter ist es immer schwer. Viele haben sich verspekuliert. Wenn ich da nur an Fromlowitz oder Hildebrand denke", meint Funkel.


Bange wäre der Fortuna und Funkel bei einem Wolf-Abgang aber nicht. "Wir haben viele gute Torhüter. Aber natürlich würde ich Raphael gerne behalten.” ​Michael Rensing ist nach sieben Monaten wieder fit. Der 33-Jährige steht noch bis 2019 unter Vertrag und wäre auch für die Bundesliga eine geeignete Nummer eins. "Ich weiß nicht, ob Wolf nächste Saison noch bei uns ist. Das muss er selber entscheiden, ob der sich den Konkurrenzkampf mit Rensing zutraut. Oder ob er andere Möglichkeiten hat“, meint Funkel auch deshalb.


Ganz so entspannt wie Wolf wird man bei der Fortuna den Vertrags-Poker aber nicht sehen. Der Zweitliga-Spitzenreiter wird auf eine schnelle Entscheidung drängen und notfalls auch ohne Wolf für die Bundesliga planen.