Im Winter stand Nationalspieler Amin Younes vor einem Wechsel von Ajax Amsterdam zum SSC Neapel. Der Transfer platzte aus "privaten Gründen", über die der Nationalspieler "aber nicht sprechen möchte". Die Italiener behaupten, Younes hätte einen gültigen Vertrag ab Sommer unterschrieben. Der 24-Jährige bestreitet das - es droht ein Rechtsstreit.


Der Wirbel um Amin Younes war groß. Beim souveränen 4:1-Heimsieg von Ajax Amsterdam gegen den SC Heerenveen am vergangenen Sonntag soll der 24-Jährige seine Einwechslung kurz vor Schluss verweigert haben, weil er sie für "unnötig" hielt. Der niederländische Rekordmeister suspendierte Younes darauf hin für zwei Wochen und schickte ihn zur zweiten Mannschaft.


Es war der nächste Akt im Theater um den Confed-Cup-Sieger. Seit Sommer 2015 dribbelt der 1,68 Meter kleine Außenstürmer für Ajax. Dort gelang Younes, was ihm bei Jugendklub Borussia Mönchengladbach und bei seiner Leihe nach Kaiserslautern verwehrt blieb: Er wurde zum Stammspieler und Leistungsträger. Elf Tore und starke 18 Vorlagen gelangen ihm in seinen ersten beiden Spielzeiten in der Eredivisie, in der vergangenen Saison steuerte er vier Treffer und vier Torvorlagen zu Ajax' Einzug ins Europa-League-Finale bei.


Younes wurde mit der Teilnahme am Confed Cup belohnt und hat mittlerweile fünf Länderspiele absolviert. Damit landete er automatisch auf dem Zettel größerer Vereine, zumal sein Vertrag im Sommer ausläuft. Serie-A-Spitzenreiter SSC Neapel wollte im Winter zuschlagen - Younes weilte bereits bei den Italienern. Laut Sport1-Informationen habe er sich zusammen mit seinem Vater drei Tage das Vereinsgelände des Maradona-Klubs angeschaut. Der Deal platzte offiziell aus "privaten Gründen".


Neapel wollte das nicht auf sich sitzen lassen und droht mit einer Klage. "Der italienischen Liga ist ein von Younes unterzeichneter Vertrag vorgelegt worden, wonach der Spieler ab dem 1. Juli 2018 ein Fußballer Neapels sein wird. Sollte Younes andere Wege beschreiten, wird er dafür auf finanzieller Ebene die Verantwortung übernehmen müssen", wird Neapels Rechtsanwalt Mattia Grassani von italienischen Medien zitiert. "Sollte er bei einem anderen Klub einen Vertrag unterzeichnen, droht Younes eine Sperre. Er müsste außerdem den SSC Neapel entschädigen", so der Anwalt weiter.

Younes geht nun in die Gegenoffensive und meldete sich zu den Anschuldigungen der Italiener zu Wort. "In Presseberichten vom heutigen Tage war zu lesen, dass der SSC Neapel davon ausgeht, dass ich ‪ab dem 1. Juli 2018 bei diesem Verein unter Vertrag stehe“, sagte Younes zu Sport1. "Ich möchte hiermit noch einmal klarstellen, dass ich mit dem SSC Neapel über einen Wechsel zur Rückserie der Saison 2017/18 verhandelt habe, mich aber aus privaten Gründen dazu entschieden habe, meinen Vertrag bei Ajax Amsterdam ‪bis zum 30. Juni 2018 zu erfüllen. Ich habe mit dem SSC Neapel weder einen Vorvertrag unterschrieben, noch einen anderen Vertrag, der mich ‪ab dem 1. Juli 2018 an den SSC Neapel bindet. ‪Bis zum 30. Juni 2018 werde ich mich voll auf meinen Verein Ajax Amsterdam konzentrieren“, erklärte der 24-Jährige.


Es droht ein langer Transfer-Hick-Hack


​Fest steht derzeit wohl nur, dass Younes Ajax im Sommer ablösefrei verlassen wird. ​Ex-Klub Gladbach soll an einer Rückholaktion interessiert sein, ebenfalls der BVB. Zuletzt wurde gar der ​FC Bayern mit Younes in Verbindung gebracht. Kontakt zwischen dem Rekordmeister und Younes soll aber nicht bestehen. 

Die Frage bleibt, ob der Spieler in Neapel einen gültigen Kontrakt besitzt. Die Bild will erfahren haben, dass es Younes auf einen Rechtsstreit ankommen lassen will - die Italiener fühlen sich ebenfalls im Recht, würden Younes aber für eine Zahlung von rund zehn Millionen Euro zu einem anderen Klub ziehen lassen. Nicht schlecht für einen Spieler, der nie das Trikot des Vereins getragen hat. Ein möglicher Rechtsstreit soll nach einem Bericht von RP-Online die Fohlen abschrecken. Demnach gebe es keinen Kontakt zwischen Borussia und Younes‘ Berater Nicola Innocentin.