Jonathan Tah bleibt in Leverkusen. Die Vertragsverlängerung des 22-Jährigen kam am Sonntagvormittag überraschend. Tah besaß eine 25-Millionen-Euro Ausstiegsklausel und wurde von halb Europa gejagt. Es zeigt, dass Leverkusen zurück in der Bundesliga-Spitze ist und wie viel Potenzial in der jungen Mannschaft steckt. Für Verein und Spieler könnte die weitere Zusammenarbeit zur Win-Win-Situation werden.


​Beim Spitzenspiel gegen Schalke 04 musste Jonathan Tah wegen eines ​grippalen Infekts zuschauen. Die Freude über den 22 Jahre alten Nationalspieler war dennoch groß. Bayer Leverkusen gab vor der ​bitteren 0:2-Pleite bekannt, ​dass der Innenverteidiger sein bis 2020 laufendes Arbeitspapier vorzeitig um drei weitere Jahre bis 2023 verlängert hat. "Wir sind froh, dass sich Jonathan trotz der großen Konkurrenz für uns entschieden hat", frohlockte Sportchef Rudi Völler. "Wir haben eine junge Mannschaft mit einer vielversprechenden Perspektive, die wir zusammenhalten wollen. Dass wir Jonathan davon überzeugen konnten, den eingeschlagenen Weg mit uns weiterzugehen, spricht für alle Beteiligten“, freute sich Bayer-Geschäftsführer Michael Schade.

Es ist eine Vertragsverlängerung, die auf den ersten Blick sehr überraschend kommt. Tah gilt als eines der begehrtesten Abwehr-Talente in Europa. Unter dem neuen Bayer-Coach Heiko Herrlich ist der 22-Jährige in der Innenverteidigung der Werkself nicht mehr wegzudenken und überzeugte in der aktuellen Spielzeit mit konstant guten Leistungen. Neben dem stark interessierten BVB hatten auch europäische Top-Klubs wie der FC Barcelona und Juventus Turin ein Auge auf den siebenfachen Nationalspieler geworfen.


Zumal Tah in seinem alten Kontrakt eine Ausstiegsklausel verankert hatte. Mit 25 Millionen Euro war die angesichts seines Potenzials geradezu lächerlich niedrig. Nun würde wohl eine deutlich höhere Ablöse fällig, sollte man versuchen Tah vor 2023 aus Leverkusen loszueisen. Spielt er so weiter, dürfte das aber nur eine Frage der Zeit sein. 


Rudi Völler und den restlichen Verantwortlichen gebührt dafür ein riesiges Lob. Tah wird wohl die nächsten Jahre weiter unter dem Bayer-Kreuz spielen und irgendwann mit einem kräftigen Gewinn weiterverkauft werden können. 2015 wechselte der gebürtige Hamburger für 7,5 Millionen Euro vom HSV an den Rhein.


Nächste Karriere-Schritte im Bayer-Trikot


"Ich habe stets gesagt, dass ich mich in Leverkusen sehr wohl fühle. Der Klub und sein Umfeld sind perfekt für mich. Ich bin bei Bayer 04 Nationalspieler geworden und kann mich hier auf dem höchsten Niveau weiterentwickeln. Wir können mit dieser jungen Mannschaft viel erreichen. Und dazu will ich meinen Teil beitragen", meinte Tah zu den Gründen für seine Verlängerung. 

Titel wolle er mit dieser "super Mannschaft" in den nächsten Jahren gewinnen, so Tah weiter. Der Hauptgrund für seine weitsichtige Entscheidung ist aber vor allem die Perspektive. In Leverkusen kann sich Tah auf höchstem Niveau weiterentwickeln und ist dabei unter Heiko Herrlich absoluter Stammspieler. In der kommenden Saison wird Bayer wahrscheinlich auch wieder in Europa auftreten - die Champions-League-Qualifikation ist trotz der Niederlage gegen Schalke weiter drin. 


"Jona hat überragende Anlagen. Er ist schnell, technisch stark, sehr robust und verfügt über viel Ruhe und Übersicht. Dabei ist für ihn das Ende der Fahnenstange noch längst nicht erreicht. Wir werden noch viel Spaß an und mit ihm haben", zeigte Heiko Herrlich die Vorzüge des 22-Jährigen auf und nannte dabei - wenn auch unbewusst - gleich auch die Gründe, warum ein Verbleib in Leverkusen genau der richtige Schritt sein könnte. 

Die Entwicklung zum "Ende der Fahnenstange" könnte Tah im gewohnten Umfeld mit viel Spielpraxis in einer hochveranlagten Mannschaft am besten gelingen. Als international etablierter Innenverteidiger, wahrscheinlich als Nationalspieler, könnte er mit Mitte 20 dann immer noch den Schritt zu einem europäischen Spitzenklub wagen. Die Chance dann auch dort direkt zum Stammspieler zu werden, wäre wohl ungleich höher.