Das Nordderby zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV bot auf sportlicher Ebene wenig Unterhaltung, stattdessen sorgten Randale der Gästefans ein ums andere Mal für Unterbrechungen. Beide Mannschaften lieferten sich einen Abnutzungskampf, viele Torchancen standen daher nicht auf dem Programm. Durch den späten Siegtreffer sicherte sich die Mannschaft von Florian Kohfeldt ein ordentliches Polster auf den Rivalen, dessen Rückstand auf den Relegationsplatz immer größer wird.

​Florian Kohfeldt veränderte seine Startaufstellung gegenüber der Partie gegen den SC Freiburg lediglich auf einer Position: Junuzovic startete für Johannsson auf dem rechten Flügel, ansonsten war sie in der 4-1-2-2-1 Formation identisch zur vergangenen Woche.

Bernd Hollerbach hingegen setzte auf ein 4-2-3-1 mit Sakai, Papadopoulos, van Drongelen und Douglas Santos in der Abwehrreihe. Im defensiven Mittelfeld agierten Jung und Walace, während in der offensiveren Dreierreihe Kostic, Hunt und - erstmalig seit dem vierten Spieltag - Jatta starteten. Hahn war die einzig nominelle Sturmspitze.

Tumulte auf den Rängen - Tohuwabohu in den Strafräumen

Auf dem Platz passierte in den ersten 45 Minuten nicht viel. Zwar hatte Kainz in der zweiten Minute nach Anspiel von Junuzovic die Gelegenheit auf einen Torschuss, doch der Ball wurde abgefälscht und landete im Toraus. Während beide Mannschaften eher abwartend begannen und sich um defensive Ordnung bemühten, sorgten die mitgereisten Anhänger der Hamburger bereits vor dem Anpfiff durch das Abbrennen von Pyrotechnik, bei dem während des Spiels zum Teil Geschosse in Richtung Spielfeld flogen, für unschöne Szenen. Bereits in der vierten Minute unterbrach Schiedsrichter Felix Zwayer die Partie für einen Moment, gab den Ball nach einer knappen Minute jedoch wieder frei.

SV Werder Bremen v Hamburger SV - Bundesliga

          Fans des Hamburger SV warfen während der ersten Halbzeit immer wieder                                                              Feuerwerkskörper auf das Spielfeld     

    
 
Danach sollte weiterhin nur wenig auf dem Platz geschehen. Die Gäste suchten immer wieder den Weg nach vorne, hatten mit ihren Hereingaben von den Außenbahnen jedoch wenig Erfolg. Insgesamt wurde es nur zwei Mal gefährlich: Hunt legte einen Ball im Strafraum für Jatta auf, der jedoch den Ball nicht richtig traf und mit Moisander kollidierte, ehe Pavlenka einen abgefangenen Flankenball nicht festhalten konnte. Nach kurzem Trubel klärte Veljkovic jedoch die Situation (17., 25.).

Werder Bremen war offensiv über weite Strecken der ersten Halbzeit harmlos und fand kaum einen Weg oder ein Mittel, um an der kompakten Defensive des HSV vorbeizukommen. Dennoch boten sich zwei Möglichkeiten: Zunächst wurde Eggestein von Delaney bedient, der Schuss wurde jedoch abgefälscht. Einige Minuten später sah Mathenia bei dem Versuch, einen Eckball zu klären, nicht gut aus, doch der Schuss von Moisander wurde noch vor der Linie von einem Gegenspieler geklärt (25., 32.).

SV Werder Bremen v Hamburger SV - Bundesliga

   Zweite Unterbrechung: Felix Zwayer bittet HSV-Sportdirektor Jens Todt (mitte) um ein                                                                   Gespräch



​In der Folge versuchten die Gastgeber, den HSV nach und nach in die eigene Hälfte zu drängen und wurden offensiver, blieben dabei jedoch ertraglos. Auffallend war die Vielzahl an Fehlpässen, die sich auch in den Passquoten wiederspiegelte: Während die Bremer zwischenzeitlich rund 77 Prozent aller Pässe an den eigenen Mann brachten, waren es beim HSV - ähnlich wie bereits gegen Leverkusen - zur Pause magere 68 Prozent.

​Viel konnte die Mannschaft von Bernd Hollerbach daran jedoch nicht ändern, da die Gästefans kurz vor der Pause erneut durch Pyrotechnik auf sich aufmerksam machten. Unmittelbar vor der Pause unterbrach Zwayer die Partie erneut, diesmal jedoch länger als noch zu Spielbeginn. Der Schiedsrichter unterhielt sich aufgrund des Fehlverhaltens der Anhänger mit den Verantwortlichen des Hamburger SV, doch nach Wiederbeginn tat sich nicht viel, weshalb es mit 0:0 in die Kabinen ging.

​Mehr Zug nach der Pause

​Zur zweiten Halbzeit kamen die Bremer wach aus der Kabine, doch eine Flanke und die darauffolgende Ecke brachte keinen Ertrag (46.). Der HSV hatte kurz darauf jedoch auch eine Schussgelegenheit, doch der Versuch von Hunt aus der zweiten Reihe ging harmlos am Tor vorbei (51.). Den Hausherren war deutlich anzumerken, dass sie Offensiv aktiv werden wollten und dabei deutlich zielstrebiger wurden, während sich der Rivale aus Hamburg als Konsequenz tiefer in die eigene Hälfte zurückzog und lediglich Hahn etwas höher als seine Mitspieler stand. Entlastung fand in dieser Phase kaum statt, da sich der HSV nur mit langen Bällen befreien konnte. 

​Joker Belfodil mit dem Siegtreffer


​Noch konnte man dem Druck von Werder standhalten, weshalb Mathenia auch nach einer schwierigen Anfangsviertelstunde noch immer nicht allzu ernsthaft geprüft wurde. Stattdessen hatte erneut Hunt eine Schussgelegenheit, doch der Versuch aus der zweiten Reihe ging gut einen halben Meter am Tor vorbei (60.). In der Folge schaffte man es besser, sich aus der eigenen Hälfte zu befreien, wodurch das Spiel wieder größtenteils im Mittelfeld stattfand.

​Das Spiel wurde in den Zweikämpfen wieder intensiver, weshalb immer wieder kleinere Fouls gezogen wurden und der Spielfluss durch Freistöße unterbrochen wurde. Der nächste Abschluss folgte erst in der 71. Minute, als Eggestein vor dem Strafraum zu viel Platz hatte und den Ball zu genau platzieren wollte. Allerdings hätte 21-Jährige auch auf Kruse ablegen können, was für mehr Gefahr gesorgt hätte. Kurz darauf probierte es Junuzovic, doch auch sein Flachschuss fand nicht den Weg ins Tor (73.).

In der Schlussviertelstunde bemühten sich die Hamburger noch einmal in der Offensive, doch viel kam dabei nicht herum. Die Bremer um Florian Kohfeldt wirkten ob des Spielverlaufs etwas verzweifelt, spielten ihre Aktionen jedoch meist zu inkonsequent aus. Eggestein hatte in der 83. Minute noch einmal eine gute Chance, doch Mathenia fing den Kopfball entgegen der Laufrichtung sicher. Kurz vor Schluss erfolgte dann doch der Lucky Punch für die Bremer: Der eingewechselte Johannsson kam im Strafraum zum Abschluss. Der Ball ging durch die Beine von Mathenia, van Drongelen erzielte im Wettstreit um das Leder auf unglückliche Weise ein Eigentor - 1:0 für Werder Bremen (87.)!


​​​Kurz darauf wurde die Partie aufgrund des erneuten Abwurfs von Feuerwerksraketen auf das Spielfeld zum insgesamt dritten Mal unterbrochen, wurde wenige Augenblicke später jedoch wieder fortgesetzt. Durch die Niederlage bleibt der HSV mit 17 Zählern auf dem 17. Tabellenplatz und hat bereits sieben Punkte Rückstand auf Mainz 05. Werder Bremen hingegen liegt mit nun 26 Punkten auf dem Platz 14, der Vorsprung auf einen direkten Abstiegsplatz beträgt daher neun Punkte.