Im Spiel gegen Werder Bremen tat sich der FC Bayern lange Zeit gegen einen mutigen und gut eingestellten Gegner schwer, der durchaus einen Punkt verdient gehabt hätte. Die Mannschaft von Florian Kohfeldt stand defensiv sicher, spielte offensiv mutig auf, musste sich am Ende jedoch der individuellen Klasse der Münchner geschlagen geben.

​Jupp Heynckes musste im Vergleich zum Auftaktspiel bei Bayer Leverkusen auf David Alaba verzichten, für den Juan Bernat erstmalig wieder in die Startelf rückte. Während Joshua Kimmich für Rafinha begann, wirbelten zwischen Robben und Ribery James und Müller im Zentrum, während Javi Martinez erneut im defensiven Mittelfeld agierte und Robert Lewandowski nach seinem Ausfall gegen Leverkusen aufgrund von Problemen an der Patellasehne wieder in der Startelf stand.

Florian Kohfeldt hingegen änderte seine Mannschaft auf einigen Positionen: Robert Bauer rotierte für Gebre Selassie als Rechtsverteidiger in die Startelf, Philipp Bargfrede spielte im defensiven Mittelfeld des 4-5-1 hinter Junuzovic, Delaney, Eggestein und Gondorf. Im Angriff spielte Max Kruse als einzige Spitze, Belfodil blieb auf der Bank.

Bremen mutig, Bayern behäbig

Vom Anstoß hinweg trafen die Bayern auf mutige Bremer, die schon früh gegen den Ballbesitz anliefen und die Gastgeber so unter Druck setzten. Wenn die Münchner mal tiefer in die Hälfte der Werderaner eindringen konnten, kamen sie jedoch nur schwer zu Torraumszenen, da die Mannschaft von Florian Kohfeldt beherzt verteidigte und Ribery genau wie Bernat, über deren linke Außenbahn das Spiel zumeist vorangetrieben wurde, kaum eine Gelegenheit zu Flanken boten.

Daher resultierte auch, dass die erste Großchance der Partie an den Außenseiter ging: Maximilian Eggestein durfte auf der linken Angriffsseite flanken, seine Hereingabe diente als Vorlage für Max Kruse, der frei im Strafraum zum Kopfball ansetzte, allerdings nur den Pfosten traf. In den folgenden Minuten waren die Bayern darum bemüht, das Tempo zu erhöhen und kamen dadurch ebenfalls zu einigen Abschlüssen: Nachdem Pavlenka einen zentralen Schuss von Ribery in der elften Minute parieren konnte, hatten kurz darauf Müller und Lewandowski ebenfalls die Möglichkeit, den Tabellenführer in Führung zu bringen. Doch nachdem der Versuch von Müller geblockt wurde, flog Lewandowskis Kopfball über das Tor der Bremer.

Den Münchnern fehlte offensiv das Tempo, weshalb Werder weiterhin sicher stand und immer wieder Nadelstiche im Angriff setzte: Nachdem Kruse eine Flanke auf Eggestein schlug, zog Junuzovic nach der anschließenden Ecke nach einer schwachen Faustabwehr von Ulreich aus der zweiten Reihe ab, jedoch vergebens (23.). Nur zwei Minuten später ging der Außenseiter jedoch in Führung: Maximilian Eggestein behauptete auf der rechten Seite den Ball und spielte Max Kruse an, der sich etwas zurückfallen ließ und in der Nähe des Strafraums auf den hereinstürmenden Jerome Gondorf durchsteckte. Der 29-Jährige drang in den Sechzehner ein, ließ Gegenspieler Kimmich hinter sich und tunnelte den heranstürmenden Ulreich - 1:0 für Werder!

FC Bayern Muenchen v SV Werder Bremen - Bundesliga

               Jerome Gondorf (mitte) freute sich über sein erstes Tor für Werder


Die Gäste blieben dran, ließen die Chance zum 2:0 jedoch ungenutzt, als Delaney mit einem Schuss aus der zweiten Reihe an Ulreich scheiterte. Jupp Heynckes war sichtlich unzufrieden, doch seine Männer taten sich gegen die stabile Abwehr des Gegners sichtlich schwer. Besonders Ribery war immer um Eins-gegen-Eins-Situationen bemüht, sah dann aber oftmals bis zu drei Verteidiger vor sich.

Mit technischer Finesse glückte relativ wenig, also musste eine andere Lösung her: Jerome Boateng schlug einen langen Ball aus dem Halbfeld auf Thomas Müller, der im Strafraum den Ball in der Luft mit der Brust annahm. Gegenspieler Veljkovic verlor in der Rückwärtsbewegung die Orientierung, weshalb Müller den Ball an ihm vorbeilegen und Gästekeeper Pavlenka überwinden konnte - 1:1! Es war das dritte Saisontor für Müller, der zuletzt am 17. Spieltag beim 1:0-Sieg über den VfB Stuttgart einnetzen konnte.

Bremen weiter hartnäckig, Lewandowski doppelt

Zu Beginn der zweiten Halbzeit blieb das Bild weitestgehend unverändert: Die Bayern waren bemüht, offensiv Druck zu erzeugen, kamen jedoch nicht gefährlich durch die Abwehr der Gäste. In der 57. Minute hatte Lewandowski allerdings die dickste Chance, nachdem James aus einem Konter heraus eine zielgenaue Flanke in den Strafraum schlug. Der Schuss des Polen ging allerdings knapp am Pfosten vorbei.

Heynckes reagierte und brachte Coman für Robben sowie Vidal für Martinez. Der Chilene hatte eine weitere Gelegenheit, nachdem er bei einem Freistoß an den Ball kam, jedoch an Pavlenka scheiterte (61.). Zwei Minuten später dann die Führung für den Rekordmeister: Nach einer Ecke von James schraubte sich Lewandowski im Strafraum hoch und markierte sein 16. Saisontor zum 2:1. Kurz darauf fiel allerdings fast der Ausgleich, als der eingewechselte Gebre Selassie nach einer Ecke von Junuzovic knapp über das Gebälk köpfte (65.).

Bayern wollte nachlegen und hatte in Person von Ribery die Möglichkeit, die Führung auszubauen, allerdings scheiterte der 34-Jährige zweifach: Nachdem der erste Versuch von Lewandowski abgefälscht und von Pavlenka pariert wurde, blockte Niklas Moisander den Nachschuss (69.). Doch in der 74. Minute schlugen erneut die Gäste zu - ebenfalls nach einem Standard: Ein Eckball von Kruse flog scharf in Richtung Fünf-Meter-Raum. Thomas Delaney rauschte am Ball vorbei, weshalb der Ball von Süles Brust aus ins Tor ging. Ein unglückliches Eigentor, das den Gästen den 2:2-Ausgleich bescherte.

Dies sollte jedoch noch nicht das Ende bedeuten. Müller bekam zu viel Platz und flankte maßgenau in den Strafraum. Lewandowski schraubte sich erneut hoch und markierte per Kopf seinen vierten Doppelpack der Saison - 3:2 in der 76. Minute! Werder spielte unbeeindruckt und weiter mutig nach vorne, bereitete der Defensive der Bayern große Probleme. Nach einem guten Spielzug kam Junuzovic aus zentraler Position zum Abschluss, Ulreich parierte jedoch stark (79.).

Die Entscheidung erfolgte in der 84. Minute: James wurde von Vidal bedient, hatte im Zentrum zu viel Platz und hob den Ball ansehnlich in den Strafraum. Müller lief ein und beförderte den Ball aus wenigen Metern ins Tor - 4:2!

FC Bayern Muenchen v SV Werder Bremen - Bundesliga

​         Münchner Doppelpacker - Robert Lewandowski und Thomas Müller (v.l.)

Durch den Arbeitssieg gegen mutig spielende Bremer haben die Bayern 16 Punkte Vorsprung auf die Verfolger Leverkusen, Leipzig und Gladbach, während die Mannschaft von Florian Kohfeldt mit 16 Punkten weiterhin auf dem Relegationsplatz verweilt und vier Punkte Rückstand auf Mainz, Stuttgart und Wolfsburg hat. ​Während Werder Bremen am kommenden Spieltag auf Hertha BSC Berlin trifft, empfangen die Münchner 1899 Hoffenheim.