Von 2009 bis 2014 war Nicola Cortese als starker Mann beim FC Southampton maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Verein binnen weniger Jahre in die Premier League aufstieg und zu einem etablierten Verein in Englands höchster Spielklasse wurde, der seine finanziellen Defizite ausgleichen und durch die Entwicklung vieler Talente in der jüngeren Vergangenheit immense Summen einnehmen konnte. Wie Sport Bild nun berichtet, zeigen drei Bundesligavereine Interesse am 49-jährigen Bankier.

In England ist Nicola Cortese kein unbeschriebenes Blatt. Der Italiener begann vor gut acht Jahren sein Engagement als Geschäftsführer des FC Southampton, der zu dieser Zeit in der League One, der dritthöchsten Spielklasse Englands, vertreten war und finanziell vor dem Abgrund stand. Doch Cortese schaffte binnen weniger Jahre die Wende, indem er unter anderem den Schweizer Unternehmer Markus Liebherr im selben Jahr davon überzeugte, den Verein für eine Summe von 13 Millionen Euro zu übernehmen.

Nachdem im Jahr 2012 der Aufstieg in die Premier League erfolgte, konnte sich der Verein in der obersten Spielklasse etablieren und sich durch den Verkauf zahlreicher namhafter Spieler wie Adam Lallana, Luke Shaw, Morgan Schneiderlin, Sadio Mane oder Virgil van Dijk, der kürzlich für die Rekordsumme von 84,5 Millionen Euro zum FC Liverpool wechselte, einen Namen machen. "Ich bin darüber stolz, was ich bei Southampton erreicht habe", sagte Cortese in einem Interview mit der Sun. "Ich habe eine der talentiertesten Mannschaften der Vereinsgeschichte hinterlassen, die von Mauricio Pochettino, einem der erstaunlichsten Manager der Welt, trainiert wurde", so der 49-Jährige rückblickend auf seine Zeit in England.

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       Stets anwesend: Nicola Cortese (mitte) verpasste kaum ein Spiel der 'Saints'

​Dabei machte er deutlich, welchen Anteil er an dem Erfolg der 'Saints' hatte: "Wir starteten mit minus zehn Punkten in der League One und waren ein Top Ten Verein in der Premier League, als ich gegangen bin. Darüber hinaus ist der Wert des Vereins, neben dem Wert der Spieler, die verkauft wurden, viel höher als zu der Zeit, in der wir ihn in 2009 übernommen haben", führte Cortese fort. Allerdings weiß er auch um die Härte des Geschäfts. "Ich war rücksichtslos und getrieben, ich musste viele Dinge innerhalb kurzer Zeit ändern. Wenn man den Weg nicht mit mir ging, dann mussten wir getrennte Wege gehen." Dies sei jedoch "die Komplexität eines Geschäftsführers im Fußball. Die Anhänger und die Medien urteilen schnell über Entscheidungen. Ich musste Entscheidungen treffen, die dem Verein auf lange Sicht zugute kommen würden."

​Interesse aus der Bundesliga 

Seit seinem Rücktritt im Jahr 2014 war Cortese nicht mehr in einem Verein tätig, jedoch scheinen aktuell einige Bundesligavereine an den Diensten des Bankiers interessiert zu sein. Wie Sport Bild berichtet, zeigen der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und der Hamburger SV Interesse. Während man in Wolfsburg noch immer einen Nachfolger für den im Dezember 2016 entlassenen Klaus Allofs sucht, scheinen Leverkusen und der HSV um Planungssicherheit bemüht zu sein. Michael Schade, Geschäftsführer der 'Werkself', wird im Sommer seine Tätigkeit nach fünf Jahren beenden, Heribert Bruchhagens Vertrag in Hamburg läuft derzeit bis 2019. 

​Wie berichtet wird, scheint Cortese gegenüber einem Engagement in der Bundesliga nicht abgeneigt zu sein und denke daran, einen Konkurrenten für Rekordmeister Bayern München aufzubauen. In Deutschland fehle "ein ausgeglichener Wettbewerb wie in der Premier League", so der 49-Jährige. So wünsche er sich beispielsweise "einen wiedererstarkten HSV", genau wie  "Klubs zweier Weltunternehmen wie VW und Bayer" oder auch "große Marken wie Köln oder Stuttgart." Allerdings stellt er auch eine Bedingung auf: "Als CEO, der nicht die Gesamtverantwortung hat, bin ich der falsche Mann."

Mit seinen Erfahrungen aus der Zeit beim FC Southampton sowie seiner Tätigkeit als Bankier dürfte klar sein: Nicola Cortese geht mit einem klaren Plan und einer strikten Linie voran und kann, wenn ihm innerhalb des Vereins die nötige Macht anvertraut wird, große Erfolge beisteuern. Allerdings schreckt er auch nicht davor zurück, harte Entscheidungen zu treffen, die im ersten Moment unverständlich wirken könnten. Ob er allerdings auch in der Bundesliga erfolgreich wäre, sollte es zu einem Engagement bei einem der drei genannten Vereine kommen, wäre jedoch abzuwarten.