Seit etwas mehr als einem Jahr spielt Breel Embolo für den FC Schalke 04. Bisher hatte der 20-Jährige meist mit Verletzungen zu kämpfen, weswegen er in der Bundesliga gerade einmal 15 Einsätze sammeln konnte. Trotz seiner bisher eher mageren Bilanz zeigt sich der Schweizer im Interview mit 20min.ch glücklich über seinen Arbeitgeber und blickt zuversichtlich in die Zukunft.

In den vergangenen Jahren war Breel Embolo eines der gefragtesten Nachwuchstalente auf dem Markt. Viele Vereine, darunter RB Leipzig und Schalke 04, aber auch internationale Topklubs zeigten sich an dem heute 20-jährigen Angreifer interessiert. Dass er im Sommer 2015 zum "wertvollsten U19-Spieler der Welt" gekürt wurde, kümmerte ihn derweil keineswegs. Auch, wie viel Geld für einen Transfer des Schweizers gezahlt wurde, ist ihm letzten Endes egal gewesen: "Es war für mich nicht maßgebend, ob sich die Vereine bei 1, 20 oder 100 Millionen gefunden haben. Ich will dorthin, wo ich will."

Schließlich erhielt der FC Schalke 04 für rund 22,5 Millionen Euro den Zuschlag und nahm den Schweizer Nationalspieler bis 2021 unter Vertrag. Auf die Frage, ob er nun dort sei, wo er hinwolle, antwortete Embolo knapp mit: "Ja." Ausschlaggebend für seinen Wechsel nach Gelsenkirchen seien "die Emotionen der Leute" gewesen: "Der Verein ist Emotionen pur. Als ich aus Basel wegging, habe ich mir einen solchen Club gewünscht."

Besonders fasziniert zeigt sich der 20-Jährige von der Kulisse in der Veltins Arena: "Ich wähnte mich schon im Joggeli (St. Jakob Park, Stadion des FC Basel. d. Red.) im siebten Himmel, als ich vor 36.000 Zuschauern spielen durfte. Und dann bist du auf Schalke und erlebst fast das Doppelte – und das bei jedem Spiel. Das ist nicht selbstverständlich und wunderschön. Es motiviert dich und gibt dir Kraft."

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 Mit strahlendem Lächeln feierte Embolo sein erstes Tor für Schalke vor über 62.000 Fans


Dass durch den Wechsel zum FC Schalke der Druck gestiegen sei, glaubt Embolo derweil nicht. Er wisse selbst, wann er keine guten Leistungen zeigen würde und verlässt sich vor allem auf die Funktionäre innerhalb des Vereins. "Ich bin alt genug und brauche keine Menschen, die mir das sagen. Zudem habe ich ein Trainerteam und einen Staff, die den Fussball verstehen und über viel Wissen verfügen. Sie geben mir Aufgaben und verlangen Feuer auf dem Platz. Wenn du das alles erledigst, dann weisst du das selbst. Und wenn nicht, dann auch. Das alles bespreche ich mit dem Coachingteam." Trotz seines Selbstbewusstseins bleibt Embolo jedoch auch bodenständig: "Nach einem guten Spiel oder wenn du ein Tor erzielt hast, ist auch nicht alles perfekt."

"Die Verletzung ist Teil von dir" - Embolo über seine lange Zwangspause

Perfekt lief für Embolo in seiner Zeit auf Schalke relativ wenig. Im Oktober vergangenen Jahres brach er sich im Spiel gegen den FC Augsburg nach einem rüden Foulspiel des Augsburgers Stafylidis das Sprunggelenk, zusätzlich setzte ihn ein Knochenödem seit März außer Gefecht. Dass die Regeneration nicht nur körperlich, sondern auch mental Zeit braucht, schien ihm dabei bewusst geworden zu sein: "Nach einer Verletzung stehst du nicht von Beginn weg auf dem Platz, kriegst keine 90 Minuten, verfügst nicht über das gleiche Selbstvertrauen, hast den Kopf nicht frei. Kurz: Die Verletzung ist Teil von dir."

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Oktober 2016: Mit schmerzverzerrtem Gesicht verlässt Embolo auf der Trage den Rasen


​Durch seine Verletzungen sehe sich der Schweizer nun "viel, viel weiter als vor zwei Jahren. Während meiner Verletzungszeit habe ich einen riesigen Schritt nach vorn gemacht, nicht nur körperlich, was genauso wichtig ist. Im Fußball braucht es einen starken Kopf, und während diesen elf Monaten habe ich auch in dieser Hinsicht enorme Fortschritte erzielt."

​Für die kommenden Wochen hat Embolo ein Ziel: "
Es geht für mich jetzt darum, die Verletzung aus den Köpfen der Leute – und auch aus meinem – zu kriegen. Wenn ich auf dem Platz bin, versuche ich, wieder Spass zu haben." Er wolle "das tun, was ich immer gemacht habe. Ich will nicht viel überlegen müssen, sondern rausgehen und spielen." Dennoch wisse Embolo, dass er es dabei langsam angehen sollte: "Vielleicht braucht es noch etwas Zeit. Ungeduld kann aufkommen, aber ich spüre, dass es wieder gut kommt, deshalb bin ich zuversichtlich und ganz, ganz ruhig."

​Dass man sich innerhalb des Vereins seit seiner Verletzung um ihn sorge, empfindet der Angreifer als "eine Art Wertschätzung. 
Es zeigt mir, dass man an mich glaubt und man mich weiterbringen will." Er hoffe darauf, viele Jahre im Profifußball verbringen zu dürfen, schließlich sei er erst 20 Jahre alt. Doch er weiß, dass er in den kommenden Jahren weiterhin dazulernen muss: "Vielleicht versteht man manche Dinge nicht, wenn man erst 20 ist und im Fussball manchmal halt eben doch nur der Moment zählt. Im Nachhinein sieht das Ganze dann aber wieder total anders aus."