Der Abschied von Jörg Schmadtke am gestrigen Montag war ein Paukenschlag, mit dem selbst Insider nicht gerechnet hatten. Seit 2013 galten er und Trainer Peter Stöger als das kongeniale Duo des 1. FC Köln. Doch nur wenige Monate nach dem Einzug in die Europa League ist die Kontinuität beim 'Effzeh' wieder dahin. Warf Schmadtke wirklich das Handtuch oder wurde ihm der Rücktritt nahegelegt? Ist er tatsächlich der Schuldige der Krise oder nur das Bauernopfer? Ein Kommentar.


Zunächst einmal sei darauf hingewiesen, dass wir uns hier im spekulativen Bereich aufhalten. Jörg Schmadtke hat sich noch nicht öffentlich zu seinem Abschied aus Köln geäußert, sodass wir aktuell der Pressemitteilung des Vereins Glauben schenken müssen, dass der Geschäftsführer freiwillig das Handtuch geworfen hat. Doch letztlich spielt das "Wie und Warum" auch keine Rolle mehr. Fakt ist: Schmadtke ist in der Domstadt Geschichte, Trainer Stöger ist (noch) da!


Hat sich Schmadtke in der Causa 'Modeste' verzockt?


Offensichtlich, und das ist keine reine Spekulation, hat es zwischen den beiden einst kongenialen Partnern unterschiedliche Auffassungen in Bezug auf diese Saison gegeben. Die Details sind nicht bekannt, doch natürlich dürfte auch die Kaderplanung im Raum gestanden haben. Aus Sicht vieler Fans war es nicht nachvollziehbar, dass für den nach China abgewanderten Anthony Modeste (Ablöse circa 35 Millionen Euro) kein adäquater Ersatz geholt wurde.

Doch hierbei sollte man vorsichtig sein: Zum einen ging der Modeste-Deal erst ziemlich spät über die Bühne, zum anderen hatten auch die anderen Klubs von der Mega-Einnahme der Domstädter Wind bekommen. Will heißen: Jörg Schmadtke hatte kaum die Chance, einen Sturm-Ersatz zu einer angemessenen Ablösesumme zu verpflichten. Schließlich wusste jeder, dass es bei den Kölnern auf einmal etwas zu holen geben würde. Da Schmadtke handeln musste, wählte er die Option Jhon Cordoba, den er für 17 Millionen Euro aus Mainz loseiste.


Unverhältnismäßige Entwicklung: vom "Manager der Saison" zum Buhmann!


Zugegeben: Das ist nicht wenig Geld für einen Stürmer, der gerade einmal zehn Treffer in zwei Spielzeiten beim FSV Mainz 05 erzielt hatte. Andererseits sollte man auch nicht vergessen, dass Modeste 2016/17 mit seinen 25 Toren eine absolute Ausnahmesaison hingelegt hatte, im Vorjahr traf er auch "nur" 13-mal in der Bundesliga.

Fakt ist: Jörg Schmadtke und Peter Stöger haben seit 2013 nahezu alles richtig gemacht. Der Einzug in die Europa League war ihr Verdienst. Von daher war die Kritik an der Personalpolitik zuletzt auch ein Stück weit überzogen. Köln weckte nach einer starken Saison Begehrlichkeiten und musste sich zudem auf die ungewohnte Mehrfachbelastung einstellen. Das ist bisher noch nicht gelungen. Doch vielleicht hätte man sich im Winter zusammensetzen, die Ereignisse analysieren und nachbessern sollen.

FC Augsburg v 1. FC Koeln - Bundesliga

Hatten sich Schmadtke und Stöger zuletzt auseinanderdividiert?



Es mag sein, dass es zu spät gewesen wäre. Und es mag sein, dass der impulsive Ex-Geschäftsführer, der auch damals in Aachen und Hannover freiwillig seinen Hut genommen hatte, einen Schlussstrich ziehen wollte. Letztlich leidet darunter aber nur die Kontinuität, die vor Schmatke/Stöger in Köln nur Wunschdenken war. Dass innerhalb von vier Jahren auch mal ein Fehler passieren kann, ist möglich und nur menschlich. Waren die vereinzelten "Schmadtke raus"-Rufe gegen BATE daher undankbar? Oder war dessen überraschender Abgang überzogen? Niemand kennt aktuell die Interna, daher sind Spekulationen fehl am Platz.