Die 'Wölfe' aus der Autostadt sind dem Abstieg in der abgelaufenen Saison gerade so noch entronnen, von Demut jedoch keine Spur. Stattdessen rüstet man auf, was das Zeug hält und gibt sich angriffslustig. Das könnte zum Bumerang werden, denn trotz kostspieliger Neuzugänge ist viel Qualität verloren gegangen.


Eigentlich stand ein Abstieg nie zur Debatte. Dass man dennoch in die Relegation musste und dort am Ende auch ein wenig Glück brauchte im Hinspiel, findet keinerlei Erwähnung mehr. Stattdessen werden teure Neuverpflichtungen bekanntgegeben und es wird großspurig von einem neuen Kaderkonzept gesprochen. „Wir haben ein klares Konzept für die neue Saison. Und das wollen wir so schnell wie möglich umsetzen“, erklärte VfL-Sportdirektor Olaf Rebbe vor wenigen Tagen.

Doch so innovativ, wie es bislang angepriesen wird, ist das Konzept nicht. Stattdessen gibt der 39-Jährige nur das Einmaleins des modernen Fußballs mit schönen Worten wieder. „Konkurrenzkampf“ und „jede Position doppelt besetzen“ - das sollte in der Bundesliga, erst recht mit den Mitteln, die einem Verein wie dem VfL Wolfsburg zur Verfügung stehen, das Mindeste sein. In der Autostadt aber scheint dies etwas völlig Neues zu sein.


Junger Elan ersetzt Erfahrung


Dafür baut man aktuell den Kader kräftig um und ersetzt Bundesliga-erfahrene Akteure durch Neuzugänge, die teilweise sehr jung sind und aus völlig anderen Ligen kommen. Spieler wie Diego Benaglio und Ricardo Rodriguez, die sich schon seit Jahren in Deutschlands höchster Spielklasse zurechtfinden, wurden ziehen gelassen, mit dem 19-jährigen Stürmer Nany Landry Dimata vom KV Oostende aus Belgien und William, einem 22-jährigen Abwehrspieler aus der zweiten brasilianischen Liga will man wieder oben angreifen.

Dazu sollen nach Möglichkeit noch Luiz Gustavo, Jakub Blaszczykowski, Christian Träsch und Vieirinha den Verein verlassen, auch hier möchte man für Ersatz sorgen. Vier weitere Spieler, die zwar im Falle von Blaszczykowski in die Jahre gekommen sein mögen, die aber auch bewiesen haben, zu was sie im Stande sind. Dagegen sind Gustavo und Träsch mit 29 Jahren im besten Alter, überzeugt ist man von den Akteuren aber nicht mehr.


Zu hohe Erwartungen?


Das könnte sich am Ende als Trugschluss erweisen, denn mit jungen Spielern ein Team aufbauen ist die eine Sache. Dann muss man sich aber auch der Aufgabe stellen und einsehen, dass diese Spieler Zeit brauchen werden. Ein Angriff nach oben wird so aber keinesfalls einfacher. Dort aber sieht sich der DFB-Pokalsieger von 2015 dem eigenen Selbstverständnis nach aber noch.

Eine spannende Frage wird auch sein, wie sich Andries Jonker in seiner ersten Saison von Beginn an schlagen wird. Denn bei 14 Spielen, die er bislang auf der Cheftrainerbank in Wolfsburg sitzt, konnte er nicht mal 50 Prozent seiner Spiele gewinnen. Lediglich sechs Siege stehen fünf Niederlagen gegenüber, dazu drei Remis. Ein Selbstläufer dürfte die kommende Spielzeit in der Autostadt daher nicht werden und man sollte sehr vorsichtig mit zu hohen Erwartungen sein. Sonst könnte der Bumerang schneller wieder zurückkommen, als das den 'Wölfen' lieb sein dürfte.