Mit einem Sieg über Hertha BSC Berlin gelang RB Leipzig das Wunder: Der Aufsteiger sicherte sich das Ticket für die Teilnahme an der Champions League für die kommende Spielzeit. Auf wirklich viel Zuspruch treffen die roten Bullen in Deutschland allerdings noch nicht; warum sich das schleunigst ändern sollte.


Es ist eine unglaubliche Geschichte, die RB Leipzig schreibt. Die roten Bullen marschierten aus der dritten Liga in die Champions League und wollen noch höher hinaus. Das Leipziger Märchen wird auf nationaler Ebene allerdings kaum gewürdigt. Und das nur wegen dem Logo auf der Brust und dem Unternehmen, welches es repräsentiert. Dabei ist der Verein ein Segen für die Bundesliga und den deutschen Fußball.


Dass das Projekt RB Leipzig mit Vorsicht zu genießen ist, steht außer Frage. Der Verein ist jung und gründet sich auf den zweifelhaften Investitionen eines Getränkeherstellers, der fleißig Millionen in den Club pumpt. Eine Prämisse, die im deutschen Fußball ihresgleichen sucht. Wirkliches Neuland ist dieser Investoren-Einfluss in Deutschland nicht. Obgleich sich Vereine wie Borussia Dortmund oder der FC Bayern München einer goldenen Historie rühmen können, überleben auch die nationalen Alphatiere nur durch die Gunst ihrer Geldgeber. Allein Sportausrüster Adidas setzt an der Isar finanzielle Limits, an die selbst RB kaum heranreicht.


Ein Projekt, das seinesgleichen sucht


So zweifelhaft die Voraussetzungen in Leipzig auch sind, so ist der aktuelle Tabellenzweite der Fußballbundesliga doch das ungewollte Kind der deutschen Fußball-Wirtschaft. Und was die roten Bullen aus ihren Möglichkeiten machen, ist schlicht überragend. Gemessen an der Entwicklung der letzten zwei, drei Jahre, wird national wie auch international mit RB Leipzig zu rechnen sein. Eine neue Kraft in Deutschland, die trotz der gewissermaßen verständlichen Kritik ein Segen für den deutschen Fußball ist. 


Es ist kein Wunder, dass die letztjährigen Champions-League-Finals einen spanischen Anstrich trugen. Während der Fokus in England auf der heimischen Premier League liegt, mangelt es in Deutschland an der Konkurrenz der großen zwei. Während die spanischen Giganten im Saison-Finish zu Hochformen auflaufen, angestachelt durch den nationalen Meisterschaftskampf, ist man in Deutschland lange satt und sehnt lediglich die Sommerpause herbei. Es fehlt eben der Baustein, der RB Leipzig zu sein scheint. Mit einem wider erstarkten BVB und den finanzkräftigen Bullen aus dem Osten darf man sich auf eine kommende Spielzeit freuen, in der die Meisterschaft lange offen bleibt - und dieser Konkurrenzkampf wird auch auf internationalem Boden Früchte tragen.

Bayer 04 Leverkusen v RB Leipzig - Bundesliga

Dürfen sich bald mit Europas Elite messen: Timo Werner und Ralf Rangnick



Während die Bundesliga durch den Einfluss von RB Leipzig deutlich attraktiver wird, darf endlich auch wieder der Osten prahlen. Mit den roten Bullen gibt es endlich wieder einen Club aus den östlichen Regionen, der als Aushängeschild präsentiert werden kann. Der Blick von Bundestrainer Joachim Löw wird sich künftig wieder auf längst vergessene Regionen konzentrieren - unter den Fittichen von Sportdirektor Ralf Rangnick und Trainer Ralph Hasenhüttl blühten kommende Nationalspieler wie Timo Werner, Marcel Halstenberg oder Diego Demme auf. Ein Segen für die Bundesliga und für die deutsche Nationalmannschaft. 


Ein Gewinn für alle - auch die Konkurrenz


Was Leipzig so stark und so wertvoll macht, ist nicht das Geld. Es ist die Art und Weise, wie das Geld investiert wird. Die roten Bullen produzieren junge Rohdiamanten in sündhaft teuren und wunderbar strukturierten Nachwuchsleistungszentren. In Leipzig entsteht eine neue Generation von Superstars, genährt von herausragender Jugendarbeit, funktionierenden Strukturen und gezieltem Scouting. Klar, ein solches Projekt ist nur mit dem nötigen Kleingeld zu finanzieren. Doch das steht Leipzig nunmal zur Verfügung.


Konstatieren lässt sich am Ende der Saison, dass die Abneigung gegenüber dem 'Plastik'-Club RB Leipzig zwar noch immer vorherrscht, langsam aber eine erste Akzeptanz zu erkennen ist. Obgleich die altmodischen Fußball-Romantiker noch lange auf das spannendste Projekt seit Jahren im deutschen Fußball spucken werden, wird Leipzig seinen Platz am Ende der Nahrungskette behaupten. Und davon profitieren unter dem Strich alle. Willkommen in der Königsklasse, RB Leipzig!