Lange galt Franz Beckenbauer als Lichtgestalt des deutschen Fußballs. Mit ihm verbunden sind zwei der größten Erfolge, die der deutsche Fußball je feiern konnte. Die Weltmeisterschaft 1974 gewann er als Kapitän und Spieler, die Weltmeisterschaft 1990 als Trainer. Doch inzwischen sind düstere Schatten auf das Denkmal gefallen.


Als Franz Beckenbauer am späten Abend des 8. Juli 1990 alleine und in Gedanken verloren über den Platz des Stadio Olimpico wanderte, war er nach Mario Zagallo erst der Zweite, dem das Kunststück gelang, sowohl als Spieler als auch als Teamchef Weltmeister zu werden. Nie war sein Ansehen größer, nie lagen ihm die Menschen mehr zu Füßen als nach diesem 1:0-Sieg über Argentinien mit Superstar Maradona.

WORLD CUP-1990-ARGENTINA-WEST GERMANY


Dabei war seine Vita schon vor dem Titel 1990 sehr umfangreich. Als Spieler gewann er mit dem FC Bayern alles, was man als Profi gewinnen kann. Vier deutsche Meisterschaften (1969, 1972, 1973, 1974), vier DFB-Pokal-Siege (1966, 1967, 1969, 1971), er gewann dreimal den Europapokal der Landesmeister, dem Vorgänger der heutigen Champions League (1974, 1975, 1976), wurde  Europapokalsieger der Pokalsieger (1967) und Weltpokal-Sieger (1976).


Meistermacher


Die Titel mit den Bayern waren nicht die einzigen, es folgte eine weitere Meisterschaft mit dem Hamburger SV (1982), mit dem er im selben Jahr auch im Finale des UEFA-Pokals stand, dort aber mit 0:3 dem IFK Göteborg unterlag. Ein Jahr zuvor feierte er mit dem 'Dino' schon die Vizemeisterschaft. Auch in New York, wo er zwischenzeitlich für Cosmos spielte, heimste er drei Meisterschaften ein (1977, 1978, 1980).

POUR ILLUSTRER LE PAPIER Mondial-2006 -

Die Titelflut riss auch nicht ab, als er nach seiner Karriere als Trainer arbeitete. 1986 musste er sich noch mit dem unrühmlichen Titel des Vize-Weltmeisters begnügen, vier Jahre später in Italien war es schließlich soweit. Danach folgte noch eine Meisterschaft mit Olympique Marseille 1991, sowie eine Meisterschaft 1994 mit den Bayern und dem UEFA-Pokalsieg 1996. 


Danach war der Titelhunger aber gestillt, er zog sich aus dem Trainergeschäft zurück. Bereits seit 1991 war er Vizepräsident der Bayern, von 1994 bis 2009 Präsident. Neben seinen Engagements für die Münchner war er von 1998 bis 2010 zudem Vizepräsident des DFB.


Entwicklungshelfer


Er war auch Vorsitzender des Bewerbungskomitees und unterstützte erfolgreich die Bewerbung Deutschlands um die Weltmeisterschaft 2006. Nachdem Deutschland den Zuschlag erhielt und die Ausrichtung fix war, wurde Beckenbauer anschließend Leiter des Organisationskomitees für die WM 2006.


Von Januar 2007 bis Juni 2011 war Beckenbauer außerdem noch Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees. Seit April 2011 ist Beckenbauer Vorsitzender der FIFA Task Force Football 2014, die sich mit der Entwicklung und Zukunft des Fußballs beschäftigt. Weitere Mitglieder sind unter anderem Pele und Bobby Charlton.


Der Abstieg beginnt

Best Sportsman of the Year 2006


Korruptionsvorwürfe bei der Vergabe der WM 2006 aber lassen die Lichtgestalt nicht mehr so hell erscheinen, wie es noch vor Jahren war. Klar, Franz hat öfter mal einen rausgehauen, wo man schon mit viel Wohlwollen nur schwer drüber hinwegsehen konnte, wie seine Entgleisung über die Arbeitszustände in Katar. Er habe niemanden in Ketten arbeiten sehen, deshalb gehe auf den Baustellen in Katar alles mit rechten Dingen zu. Doch auch mit solchen Aussagen und Ansichten kratzte er nur oberflächlich an seinem Denkmal.


Mit den im Oktober 2015 aufgetauchten Details zur möglichen Korruption bei der Vergabe der WM 2006 aber änderte sich vieles. Der Spiegel berichtete als erstes über ein Darlehen von Robert Louis-Dreyfus, von April 1993 bis 2001 Vorstandsvorsitzender von Adidas, an das Organisationskomitee der WM 2006 in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken. Angeblich wurden damit Stimmen erkauft, um sich für Deutschland als WM-Standort zu entscheiden.


Zwischen Warner und Hammam


Der heute 71-Jährige erklärte, das Organisationskomitee habe sich 2002 das Geld geliehen, weil die FIFA im Gegenzug für die Zahlung eines Zuschusses in Höhe von 250 Millionen Schweizer Franken eine Zahlung in Höhe von zehn Millionen Schweizer Franken gefordert hätte. Interne Untersuchungen des DFB zeichneten aber ein anderes Bild. So wurde ein von Beckenbauer und Jack Warner, dem ehemaligen FIFA-Vize-Präsidenten und CONCACAF-Präsidenten, ausgehandelter Vertragsentwurf gefunden, in dem Warner umfangreiche Leistungen zugesagt wurden.

Asian Football Confederation (AFC) presi


Die Spur führte bis zum katarischen Unternehmer Mohamed bin Hammam, der erst ein großer Fürsprecher Joseph Blatters war, 2011 aber gegen ihn kandidieren wollte. Inzwischen ist Hammam wegen Korruption lebenslang von der FIFA gesperrt, nachdem der Internationale Sportgerichtshof diese Sperre zwischenzeitlich aufgehoben hatte, ist sie seit Dezember 2012 wieder aktiv. Ämter hat er keine mehr inne, weiter konnte der Weg des Geldes auch nicht verfolgt werden.


Deshalb leitete die schweizerische Bundesanwaltschaft am 6. November 2015 ein Strafverfahren gegen Beckenbauer wegen des Verdachts auf Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, Geldwäscherei und Veruntreuung ein. Doch dabei sollte es jedoch nicht bleiben. Im September des vergangenen Jahres wurde bekannt, dass er als Präsident des Organisationskomitees der WM 2006 weitere 5,5 Millionen Euro aus einem Werbevertrag mit der Sportwette ODDSET des Deutschen Lotto- und Totoblocks erhielt.


Ertragreiche WM 2010


Auch für die WM 2010 in Südafrika kassierte Beckenbauer kräftig mit seinem Kumpel Fedor Radman, einem ehemaligen Sportfunktionär, der ab 1979 für Adidas in der Konzernabteilung Internationale Beziehungen arbeitete und später auch für die ISL, eine in der Schweiz ansässige Marketingfirma, die 2001 aber in Konkurs ging. Zwischendurch war die ISL aber ein wichtiger Geschäftspartner der FIFA und für die Übertragungsrechte zuständig.

FUSSBALL: WM 2002 in JAPAN und KOREA, PRESSEKONFERENZ

Insgesamt sollen für die WM 2010 1,7 Millionen Euro im Jahr 2005 geflossen sein, Ziel war ein Konto in Gibraltar. Zwischen 2008 und 2011 zahlte die FIFA 5,4 Millionen Schweizer Franken, die als Löhne und Zulagen von Beckenbauer deklariert waren, auf ein Konto von Fedor Radmann, der anschließend die Hälfte auf ein Konto von Beckenbauer weiterleitete. Radmann soll hierbei seiner Bank verschwiegen haben, dass Beckenbauer der wahre Berechtigte des Geldes war, weswegen die schweizerische Bundesanwaltschaft ein Strafverfahren wegen des Verdachts auf Urkundenfälschung und Geldwäscherei gegen ihn eingeleitet hat.


Das Denkmal „Beckenbauer“ ist damit inzwischen nachhaltig beschädigt. So viel er für den Fußball und den Sport hierzulande getan haben mag, er ist eben doch nicht besser als all die Platinis, die Blatters und die anderen großen Geschäftsmänner, die den Fußball als Geldbeschaffungsmaschine sehen. Der Sport spielt längst nur noch die zweite Geige. Davon hat sich auch Beckenbauer einspannen lassen. Und damit sich selbst mehr geschadet, als irgendwem sonst.