Überzogene Erwartungen führen im Nachgang oft zu herben Enttäuschungen. Deshalb sollte im Gladbacher Lager nach der vergangenen Woche niemand mit einer Überraschung gegen den Lieblingsgegner aus München rechnen. Zu schwer wiegen die derzeitigen Ausfälle, zu nah sind noch die Erinnerungen an das Aus in der Europa League.


Sind wir mal ehrlich: Spiele gegen den FC Bayern sind für beinahe jedes Team in der Bundesliga das Saisonhighlight. Ganz gleich, ob man im Keller steht, im Mittelfeld platziert ist, oder sogar um die begehrten Fleischtöpfe kämpft. Die Bayern will man schlagen, oder ihnen zumindest ein Bein stellen. Und wenn schon keine Punkte in Sichtweite sind, dann will man wenigstens einen großen Kampf liefern.


Hochkonjunktur im Lazarett


Natürlich ist es kaum förderlich, vor einer solchen Partie den Gegner des Rekordmeisters klein zu reden, die Spannung heraus zu nehmen und das Spiel von vornherein abzuschenken. Dennoch sollte auch bei aller Vorfreude auf die Bayern der Realismus vorherrschen, und der sieht die Borussen aus der Vitusstadt derzeit klar im Nachteil. Dafür war die vergangene Woche zu niederschmetternd auf allen Ebenen.

Da wäre zum einen der personelle Aderlass, der die 'Fohlen' wieder mit der vollen Breitseite erwischt hat. Zu den schon verletzten und enorm wichtigen Offensivkräften Thorgan Hazard, Ibrahima Traore und Kapitän Lars Stindl, gesellen sich seit vergangenem Donnerstag nun auch Fabian Johnson und Christoph Kramer. Als würde der Ausfall des Spielführers vor der Partie nicht schon schwer genug wiegen, fällt Kramer mit einem Innenbandteilriss im Kniegelenk die nächsten Wochen aus. Bei Johnson handelt es sich „nur“ um einen Muskelfaserriss.


Tief im Loch


Angeschlagen war auch Mahmoud Dahoud, er hatte gestern muskuläre Probleme und es ist noch nicht klar, ob er morgen spielen kann, oder ebenfalls auf der Tribüne Platz nimmt. Die übrigen Akteure haben nach den anstrengenden englischen Wochen ebenfalls mit einem Kraftverlust zu kämpfen, die Verschleißerscheinungen waren schon gegen den Hamburger SV vor einer Woche kaum mehr wegzudiskutieren. So bekommt die Aufstellung der Borussia beinahe einen Testspielcharakter – gegen den FC Bayern München.

Wieder andere Akteure befinden sich dermaßen im Formtief, dass man die Partie gegen den Branchenprimus für ein baldiges Erfolgserlebnis beinahe herbeisehnt. Denn wann, wenn nicht gegen die Bayern, wäre das Platzen eines Knotens besser? Die Hoffnung, dass sowohl Josip Drmic als auch Andre Hahn aber ausgerechnet gegen die Münchner knipsen, wäre nur mit einer Maßangabe in Fahrenheit noch im positiven Bereich.


Psychologischer Tiefschlag


Neben der angespannten Personalsituation spielt auch die bereits angesprochene Frische eine Rolle. In den vergangenen Wochen musste das Team von Dieter Hecking im Schnitt alle drei Tage ran. Während die Mannschaft zu Beginn noch von Sieg zu Sieg eilte und somit die Müdigkeit mit Hilfe der Erfolge nicht ins Gewicht fiel, kehrt sich dieses Momentum mit der letzten Woche um. Das Aus in der Europa League war dabei nicht nur bitter, sondern typisch gladbacherisches Scheitern auf hohem Niveau. Ein nicht gepfiffenes Foul, ein Platzfehler, ein geschenkter Handelfmeter – viel bitterer kann man nicht ausscheiden.

Der psychologische Aspekt dahinter dürfte schwer wiegen und kann das aufgebaute Selbstvertrauen der letzten Wochen nachhaltig ins Wanken bringen. Und just zu diesem Zeitpunkt kommt der FC Bayern in den Borussia Park.


Liebe Gladbach-Fans, macht euch daher keine Hoffnungen, ihr werdet nur enttäuscht werden. Der Lieblingsgegner der 'Fohlen' kommt dieses Jahr zur Unzeit in die Vitusstadt. Rumpfelf, Kraftverlust und eine niederschmetternde Niederlage in der Europa League sind zu viele Nackenschläge in einer Woche, um das gegen den Rekordmeister ausgleichen zu können.