​Derzeit weiß man in Mönchengladbach scheinbar nicht so genau, was man mit dem Rest der Saison anfangen soll. Steht der blanke Abstiegskampf auf dem Programm, oder lässt sich die Geschichte der letzten Spielzeit ein Stück weit wiederholen, indem man mit einer ordentlichen Rückrunde noch ins internationale Geschäft einzieht? Dabei könnte zuviel Träumerei fatal sein. 

Nach Jahren des Aufschwungs haben sie nun also am Niederrhein die vielbeschworene 'Delle'. Max Eberl wurde nicht müde zu betonen, dass ein Verein wie Borussia Mönchengladbach immer mit Rückschlägen zu rechnen habe. Dass auch mal eine schlechte Saison rauskommen kann und man auch mal wieder ein Jahr ohne internationalen Wettbewerb auskommen muss. Derzeit sieht es ganz danach aus, als sollte ein solcher Moment eingetreten sein. Denn mit sechzehn Zählern aus ebenso vielen Spielen steht die 'Fohlenelf' nur auf Rang vierzehn der Bundesliga. 

Hecking reicht fürs Erste 

Das Problem ist dabei aber die Art und Weise, wie man unten reingeschlittert ist. Vor der Saison hieß es, man habe den besten Kader seit Jahrzehnten, man sei überall doppelt besetzt und es könne quasi gar nichts passieren. Nachdem Andre Schubert nun entlassen ist und mit Dieter Hecking bereits ein neuer Trainer an der Seitenlinie steht, scheint wohl schon mehr passiert zu sein, als viele Anhänger befürchtet hatten. Mit dem neuen Trainer scheint aber auch der Realismus ein wenig verloren gegangen zu sein. 

Denn schon liest man von Träumereien, jetzt könne es richtig losgehen. Mit einer Siegesserie sei man schnell wieder oben mit dran. Die 'Altlast' Schubert, diesen elenden Fußballprofessor, der die Mannschaft ja heillos überfordert hat, ist man endlich losgeworden, mit Hecking hat man nun endlich wieder einen geradlinigen Coach, der keine Experimente macht. Zwar hätte man gerne einen Trainer der Marke Guardiola oder des Kalibers Tuchel gehabt, aber Hecking reicht fürs Erste auch. 

Beherzigt Favre!


Was die Mannschaft aber beim Telekom-Cup in Düsseldorf am vergangenen Wochenende geboten hat, sollte jedem klar machen, dass es tiefere Probleme gibt und mehr Dinge anzupacken gilt, als bloß den Ex-Trainer dafür verantwortlich zu machen. Einige realistischere Beobachter hoffen, dass dies der letzte Schuss vor den Bug war, bis man kapiert, dass man mit Schönspielerei nicht dort wegkommt, wo man jetzt steht. Dass man nicht allein über die Qualität den Abstiegskampf meistert, sondern das man ihn auch annehmen muss. 

Genau dort steht die Borussia nämlich, im Abstiegskampf. Die Auswärtsmisere im Hinterkopf, kann es innerhalb der nächsten zwei Wochen ganz schnell gehen und man steht auf dem Relegationsrang. Daher ist jegliche Träumerei absolut verboten, denn es gilt vor allem, die Basics auf den Platz zu bringen und nicht den zweiten Schritt vor dem Ersten zu machen. Vielmehr sollte man das Favre'sche Mantra hochhalten, von Spiel zu Spiel zu denken, anstelle sich Träumereien hinzugeben. Für die Träumereien hat man noch zwei weitere Wettbewerbe zu absolvieren, wo man sich solchen Gedankenspielen hingeben kann. Die Bundesliga aber ist das Kerngeschäft und dort sollte man es tunlichst vermeiden, sich Träumereien hinzugeben. Sonst wacht man schneller aus einem Alptraum auf, als einem lieb ist.