​In der heutigen Zeit sind Märchen im Profi-Fußball extrem selten geworden. Die Sensations-Meisterschaft von Leicester City in der Premier-League kann durchaus als ein solches bezeichnet werden. Und sonst? Es scheint so als würde in Hamburg nun ein neues Fußball-Märchen entstehen. Bakery Jatta kam als Flüchtling nach Deutschland und hat mit seinem fußballerischen Können auf sich aufmerksam gemacht. Nun bekommt das Talent aus Gambia sogar einen Profi-Vertrag.


Vom Flüchling zum Fußball-Profi


Auf diesen Tag haben Bakery Jatta und der HSV lange warten müssen. Heute, an seinem 18. Geburtstag, bekommt das Talent aus Gambia endlich seinen HSV-Vertrag – und das Fußball-Märchen kann richtig losgehen. Auf dem Weg zu Unterschrift galt es allerdings noch einige Hürden zu nehmen. Vor seiner Volljährigkeit durfte Jatta nicht unterschreiben. Nun erhält der Flügelstürmer einen bis 2019 laufenden Profi-Vertrag.


Der als Flüchtling nach Deutschland gekommene Jatta wird in Zukunft nicht nur einen festen Job haben, sondern auch finanziell mehr als abgesichert sein. Beim Hamburger SV wird Jatta ein Jahresgehalt von rund 100 000 Euro verdienen. Damit ist Bakery nach Bobby Wood und Christian Mathenia der dritte Neuzugang beim HSV.


So begann das Fußball-Märchen


Das Jatta-Märchen begann an einem eiskalten Tag im Hamburger Volkspark. Am 4. Januar trainierte ein bis dahin unbekannter junger Mann gemeinsam mit den HSV-Stars. Schnell wurde den Verantwortlichen klar, dass der damals 17-Jährige ordentlich was drauf hat. Gute Ballführung, schnelle Läufe über die Flügel, gute Flanken. Das unglaubliche daran ist, dass Bakery niemals zuvor in einem Verein Fußball gespielt haben soll.


"Ich habe großen Respekt vor seiner Story. Er hat sich getraut, einen sehr beschwerlichen Weg auf sich zu nehmen", so HSV- Coach Bruno Labbadia.

Probleme dagegen bereitete der Status von Jatta. Der Junge war aus seiner Heimat Gambia, dort herrscht ein brutaler Diktator, allein nach Europa geflüchtet, und wurde in der Akademie Lothar Kannenberg, einer Jugendhilfe- und Bildungseinrichtung in Bothel, aufgenommen.


Den Trip ins Trainingslager nach Belek zwei Tage nach seiner Hamburg-Premiere konnte der Flüchtling wegen der Bestimmungen für Flüchtlinge nicht mitmachen.Zusätzlich musste er eine Aufenthaltserlaubnis zur Ausübung seiner sportlichen Tätigkeit beantragen. Seit diesem Winter arbeitete Jatta in Bremen mit einem privaten Fitness-Coach, trainierte zudem bei verschiedenen Bremer Amateurklubs.


"Bakery hat eine große Spiel-Intelligenz, gute Anlagen. Es geht auch bei ihm streng nach Leistung. Einen Flüchtlingsbonus wird es nicht geben", sagte HSV-Coach Bruno Labbadia.


Pünktlich zum Start am 27. Juni wird Jatta in die Saisonvorbereitung mit seinen neuen HSV-Kollegen einsteigen. Dann beginnt das Jatta-Märchen endgültig. Ob er sich bei den Hanseaten auch zum Stammspieler aufschwingen kann? Es würde den bisherigen märchenhaften Aufstieg noch toppen.