Diego Demme ist das Laufwunder und der Marathonmann im deutschen Unterhaus und stellt jede Woche neue Bestwerte auf. Nur beim Toreschießen ist der Leipziger in den Statistiken ganz unten zu finden. Wieso eigentlich? 


Bei den 'Roten Bullen' aus Leipzig läuft Diego Demme, der von seinen Eltern nach dem argentinischen Superstar Diego Maradona benannt wurde, im Schnitt 12,5 Kilometer pro Spiel, soviel wie keiner sonst in der zweiten Liga. Zudem blockte er bislang 48 Pässe im Schnitt pro Spiel ab, insgesamt 1846 – ebenfalls ein Bestwert. Er ist der Stabilisator und die ordnende Hand im Spiel der Sachsen und unverzichtbar im Team von Ralf Rangnick.


Der Gattuso von Leipzig 


Allerdings geht ihm für einen defensiven Mittelfeldspieler auch komplett die Torgefahr ab. In 170 Spielen als Profi gelang ihm noch nicht ein Treffer. „Das ist schon eine Schwäche von mir“, sagte Demme kürzlich der Bild-Zeitung. „Keine Ahnung, woran das liegt. Ich komme einfach vorne zu selten in den torgefährlichen Bereich. Diese Saison habe ich mir vorgenommen, dass ich zwei Mal pro Halbzeit ganz vorne mit in den Strafraum reinlaufe.“

Dafür ist er defensiv mit seiner intensiven Laufarbeit und seinen Zweikämpfen umso wertvoller, eine Art sächsischer Gennaro Gattuso. Auch der Italiener überzeugte durch überragende Abwehrarbeit, war vorne aber, ähnlich wie Demme, höchst ungefährlich. Durch seine fehlende Torgefahr kann er sich aber umso konsequenter der Defensivarbeit widmen und Löcher stopfen. Das sieht auch sein Trainer Ralf Rangnick so, der in Demme einen „Balleroberer“ sieht und dem Mittelfeldspieler eine „super Mentalität“ attestiert.


„Gegen ihn zu treffen wäre natürlich witzig“


Sein letzter Treffer liegt inzwischen auch schon sechs Jahre zurück. Damals war er noch für die U19 der Ostwestfalen aus Bielefeld unterwegs und traf beim 1:1 gegen Alemannia Aachen. Kurioserweise stand Stefan Ortega damals im Tor der Bielefelder, heute Torhüter bei 1860 München, dem kommenden Gegner der Leipziger am Sonntag.

Somit könnte sich ein Kreis für Demme schließen, sollte er gegen seinen Ex-Kollegen vielleicht endlich mal wieder ein Erfolgserlebnis in Form eines Tores haben. Das sieht auch Demme so. „Gegen ihn zu treffen wäre natürlich witzig. Wir haben lange im Nachwuchs zusammen gespielt, der Kontakt ist nie ganz abgebrochen.“


Ansonsten wird Demme einfach wieder einen Halbmarathon auf den Platz bringen und so die wichtigen Pässe abfangen und Löcher stopfen. Denn Tore können in Leipzig auch ganz andere schießen.