Das erste halbe Jahr ist für Cheftrainer Andre Schubert bei Borussia Mönchengladbach passé und der einstige Interims-Held hat seine erste Krise hinter sich. Mit dem 4:0 gegen den VfB Stuttgart werden die Kritiker nach sieben Punkten aus den letzten drei Partien wieder leiser. Geht der Höhenflug jetzt weiter? 


 „Die Mannschaft hat es überragend gemacht, weil alle miteinander und füreinander gearbeitet haben.“ So fasste Andre Schubert auf der Pressekonferenz den Sieg seiner Gladbacher gegen die bis dahin beste Rückrundenmannschaft nach Dortmund und Bayern zusammen. Vor dem Spiel in Mönchengladbach holte die Mannschaft vom neuen VfB-Coach Jürgen Kramny in sechs Rückrundenspielen vier Siege und schoss dabei dreizehn Tore.


Gegen Gladbach gab es nun den ersten Rückschlag, aus Sicht der 'Fohlen' allerdings könnte es der erhoffte Befreiungsschlag gewesen sein. Denn am Niederrhein wetzten bereits die ersten Kritiker die Messer. Nachdem zum Ende der Hinrunde der von Verletzungen gebeutelten Mannschaft die Kräfte ausgingen, setzte es teils deftige Niederlagen, die nachhaltig Schaden im Selbstverständnis sowie der Psyche der Spieler anrichteten.


Zu viele Gegentore für ein Spitzenteam 


Begonnen hatte alles mit der 0:5-Klatsche in Leverkusen am vorletzten Spieltag der Hinrunde, nachdem die Borussia schon wenige Tage zuvor eine bittere Niederlage in der Königsklasse in Manchester bei den 'Citizens' hinnehmen musste (2:4). Die Siegesserie vorher mit dem Höhepunkt gegen die Bayern (3:1) hatte viel Kraft gekostet, mit der die Mannschaft nun am Ende schien. Das folgende Pokal-Aus gegen Werder Bremen (3:4) schien da nur die logische Folge.


Gegen Darmstadt konnte sich die Mannschaft mit einem Kraftakt (3:2) noch in die Winterpause schleppen, der Verschleiß der vorangegangen Wochen war aber unübersehbar, ebenso wie die Flut an Gegentoren. Diese schaffte Andre Schubert entgegen vieler Erwartungen aber auch nach der Pause nicht einzustellen. Das 1:3 gegen den BVB und die unglückliche 0:1-Niederlage beim FSV Mainz waren Wasser auf die Mühlen der Nörgler, die sich nun endgültig bestätigt sahen.


Schubert veränderte die Grundausrichtung


Mit seinem Amtsantritt wich der neue Trainer vom Defensivkonzept seines Vorgängers weitgehend ab, was nicht jedem auf Anhieb am Niederrhein zusagte. Er wolle lieber 3:2 gewinnen als 1:0, sagte Schubert zu Beginn und löste damit schon beinahe eine Revolution im Klub aus, der die letzten Jahre vom kontrollierten Favre-Fußball dominiert wurde. Einmal von der Leine gelassen, starteten die Borussen nach fünf Niederlagen an den ersten fünf Spieltagen eine furiose Aufholjagd und eine Siegesserie, die schließlich im Sieg gegen den Rekordmeister gipfelte.


Borussia Moenchengladbach v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Dabei konnte Schubert vor allem auf die Vorarbeit von Favre zurückgreifen, denn das defensive Grundverständnis war nach wie vor präsent und bei den Spielern verinnerlicht. Oben drauf setzte er jedoch neue Akzente: Die Außenverteidiger stehen jetzt höher, das Pressing ist aggressiver, der gesamte Mannschaftsverbund ist weiter vorne positioniert. Seither gibt es Spektakel bei der Borussia zu sehen. Ergebnis ist die drittbeste Offensive der Liga und die drittschlechteste Defensive.


Verletztenmisere in der Hintermannschaft 


Es ist die fehlende Balance im Gladbacher Spiel, die die Fans nach wie vor nervös werden lässt. Beispielhaft dafür war das 5:1 gegen Werder Bremen nach dem Mainz-Spiel, was auch völlig anders hätte laufen können, wenn Nico Elvedi auf der Linie nicht gegen Claudio Pizarro beim Stand von 3:1 gerettet hätte. Dass nicht alles Gold ist, was glänzt, wurde schließlich mit dem völlig unnötigen 2:3 in Hamburg beim HSV untermauert, als man sich defensiv teils haarsträubende Fehler erlaubte.


Die letzten drei Spieltage jedoch geben wieder Anlass zur Hoffnung, dass ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht wurde. Sieben Punkte aus den letzten drei Partien, dazu zwei zu-Null-Spiele. Ein Absturz wie ihn derzeit Leverkusen oder Wolfsburg erleben, wurde erstmal verhindert. Dabei darf man auch nicht vergessen, dass dem VfL etliche Defensivakteure schon seit Wochen und Monaten verletzt fehlen. Martin Stranzl schleppt sich von Verletzung zu Verletzung durch seine letzte Saison, eine Rückkehr von Alvaro Dominguez nach seinen Rückenproblemen ist nach wie vor ungewiss, Tony Jantschke fällt mit einem Kreuzbandriss den Rest der Saison ebenso aus wie Nico Schulz. Zu allem Überfluss gesellt sich seit Mittwoch nun auch Duracell-Schwede Oscar Wendt zum Lazarett dazu.


Erneut spielt die Borussia um die Champions League 


Über all diese Umstände wird jedoch kaum geklagt, was den Verantwortlichen durchaus anzurechnen ist. Zudem hat es Schubert bei allen Widrigkeiten und bei aller Kritik geschafft, die Mannschaft mit all ihren Qualitäten für den Gegner noch weniger ausrechenbar zu machen. Seine Experimente mit der Dreierkette gingen gegen den FC Bayern und den VfB Stuttgart fantastisch auf und zeigten, wie viel Variabilität im Kader steckt. Diese weiß er auszunutzen und er scheint in der Lage, den Spielern dies auch vermitteln zu können.


Schubert versucht den Kader weiterzuentwickeln und baut dabei auf dem von Favre geschaffenen Konstrukt auf. Dass dabei nicht alles glatt läuft und es auch mal knirscht, dürfte völlig normal sein, ist in der schnelllebigen Welt des Fußballs jedoch kaum gestattet. Die jüngsten Erfolge aber geben Schubert ebenso recht wie der Vereinsführung um Max Eberl. Denn trotz der Dreifachbelastung und dem Premierenjahr in der Königsklasse spielen die 'Fohlen' erneut um den Einzug in die Champions League. Alles andere als selbstverständlich und vor einigen Jahre noch undenkbar gewesen, was alle Fans im Hinterkopf behalten sollten. Und sollte die Borussia am Ende der Saison erneut ins internationale Geschäft einziehen, hätten alle Beteiligten erneut vieles richtig gemacht.