Mit einem Sieg gegen den MSV Duisburg kann sich RB Leipzig weiter in Richtung Fussball Bundesliga arbeiten. Der Aufstieg der Sachsen ist für viele Fussballfans ein Worst Case Szenario, doch was würde RasenBallsport Leipzig in der Bundesliga wirklich bedeuten?


Leipzig wäre aus vielen Gründen nicht der klassische Bundesliga-Aufsteiger. Einerseits ist da die andere Erwartungshaltung im Umfeld des Vereins. Dadurch, dass der Verein de facto Red Bull gehört und primär als Werbemittel gegründet wurde, sind die Ziele sehr hoch gesteckt. Bereits zu Drittligazeiten formulierte Red Bull Gründer Mateschitz ehrgeizige Ziele:

"Wir bauen RB Leipzig mit dem Ziel aus, in drei bis fünf Jahren in der Bundesliga zu spielen. Wir wollen auch in der Champions League dabei sein."

SpVgg Unterhaching v RB Leipzig  - DFB Cup

Die Champions League wäre damit das logische Ziel des potenziellen Aufsteigers und da die finanziellen Ressourcen nahezu unbegrenzt sind würde wohl auch der Kader passen. Doch nicht nur durch die Mannschaft würde Leipzig die Liga verändern. Die Roten Bullen wären außerdem der erste Bundesligist der primär aus Marketingzwecken gegründet wurde. 

Natürlich wurden auch vorher schon Vereine von finanzstarken Sponsoren unterstützt aber Red Bull ist eben mehr als ein Sponsor. "Wir kaufen nicht einfach für einen Koffer voller Geld einen Kotflügel, um ihn mit unserem Logo zu bekleben, wir betreiben unseren eigenen Rennstall, wir übernehmen selbst die Verantwortung" sagte Mateschitz zum Formel 1 Engagement der Brausefirma, doch das gleiche Prinzip möchte der Österreicher auch im Fussball anwenden. 


Und genau an diesem Punkt kommt die größte Veränderung auf die Liga zu. Bisher wurde im Zuge der 50+1 Regel darauf geachtet, dass Sponsoren nur Sponsoren bleiben und keine Vereine durch Investoren an die Spitze kommen. Jedoch wird die Regel seit Jahren weiter ausgehöhlt und kaum ein Fussballclub ist noch ein eingetragener Verein. Durch das Streben immer mehr zu erreichen, sei es national oder international, ist es für die meisten Vereine das primäre Ziel möglichst viel Geld zu akquirieren. Schaut man sich in der Bundesliga um, haben Vereine wie Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim nur noch wenig mit der klassischen Vorstellung eines Vereins gemein. In dieser Hinsicht wäre ein Aufstieg der Sachsen nur der nächste logische Schritt, denn auch Vereine wie der Hamburger SV, sind gegenüber Investoren nicht abgeneigt. Schaut man sich im Ausland um, gehören Investoren ohnehin bereits zum Fussball dazu und in einigen Ländern wie Österreich gibt es auch bereits Werbevereine wie Red Bull Salzburg.


Jedoch würde die Veränderung der 50+1 Regel nicht nur für mehr Spannung sorgen. Kleinere Vereine wie zum Beispiel Augsburg oder Darmstadt werden es ohne finanzstarke Unterstützer nur noch schwer in die Bundesliga schaffen. Sollte das Prinzip der Roten Bullen funktionieren besteht natürlich die Möglichkeit, dass andere Firmen dem Beispiel folgen und einen Verein mit jeder Menge Geld an die Spitze der Bundesliga bringen. Jedoch muss man dazu sagen, dass die Bedingungen in Leipzig sehr speziell waren und Red Bull einfach den richtigen Ort zur richtigen Zeit gefunden hat.

RB Leipzig v 1. FC Kaiserslautern - 2. Bundesliga

Leipzig ist mit über 500.000 Einwohnern neben Essen die größte Stadt ohne Bundesligaverein und da in der ehemaligen DDR kein Traditionsverein in einer der zwei oberen Ligen unterwegs ist, ist die Sehnsucht nach Bundesligafussball groß. Zwar hat Leipzig mit Lok Leipzig und der BSG Chemie Leipzig zwei absolute Traditionsvereine, doch beide Teams sind in den Niederungen des deutschen Fussballs unterwegs. Diese Gegebenheiten waren in Deutschland einzigartig, beinahe jede andere Stadt die über das Marketingpotential der sächsischen Großstadt verfügt hat schon einen guten Profiverein in der Umgebung.


Obwohl Red Bull mit der Standortwahl für seinen Verein alles richtig gemacht hat und sich RasenBallsport Leipzig mit sozialem Engagement clever präsentiert, bleibt zu hoffen, dass diese Art der Vereinsgründung keine Nachahmer findet, da die Bundesliga vor allem auch aufgrund ihrer Traditionsvereine, der stimmungsvollen Stadien und hitzigen Derbys einzigartig ist. Wie sehr Red Bull den Deutschen Fussball verändern wird kann man bisher nur erahnen, doch allein die hitzige Debatte um die TV-Vermarktung hat gezeigt wie viel Emotionen rund um das Thema 50+1 freigesetzt werden.