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1984 - das Jahr, das für Spanien (gegen Deutschland) alles änderte!

Guido Müller
Nov 17, 2020, 4:22 PM GMT+1
Szene aus dem EM-Gruppenspiel von 1984 in Paris (links Hans-Peter Briegel, rechts Bernd Förster, der sich in einen Schuss von Carrasco wirft)
Szene aus dem EM-Gruppenspiel von 1984 in Paris (links Hans-Peter Briegel, rechts Bernd Förster, der sich in einen Schuss von Carrasco wirft) | STAFF/Getty Images
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Insgesamt 24 Mal standen sich bisher die Nationalmannschaften Spaniens und Deutschlands gegenüber. Auf Pflichtspielebene hatten dabei die Deutschen jahrzehntelang die Nase klar vorn. Doch diese Statistik hat sich seit dem EM-Gruppenspiel 1984 in Frankreich zugunsten der Iberer verschoben.

Denn nach 1984 konnte eine DFB-Elf nur noch einmal gegen la roja gewinnen, wenn es um mehr ging als um einen freundschaftlichen Testkick. Und das ist mittlerweile auch schon über 32 Jahre her.

Am 17. Juni 1988 gewann die von Teamchef Franz Beckenbauer trainierte Auswahl bei der Europameisterschaft im eigenen Land mit 2:0 (beide Tore von Rudi Völler) und schickte die Südeuropäer schon vor der K.o-Phase nach Hause. Es war, wenn man so will, die Revanche für besagtes EM-Aus vier Jahr zuvor, als ein gewisser Antonio Maceda die Deutschen (damals noch von Jupp Derwall befehligt) - als Titelverteidiger - ihrerseits die vorzeitige Heimfahrt antreten ließ.

Seit 1988 wartet Deutschland auf einen Pflichtspiel-Erfolg gegen Spanien

Seitdem ist es einer deutschen Nationalmannschaft nur noch in Freundschaftsspielen gelungen, die Spanier zu schlagen. Besonders bitter im kollektiven Bewusstsein der Fans des viermaligen Weltmeisters sind natürlich die letzten Duelle auf EM-oder WM-Niveau verankert.

EM-Finale 2008 und WM-Halbfinale 2010 gingen an die Spanier

Es begann bei der EURO 2008 in der Schweiz und Österreich. Etwas rumpelig war die deutsche Elf bis ins Finale vorgedrungen - und konnte in diesem eigentlich nur die ersten zehn Minuten gegen die vielleicht beste spanische Nationalelf aller Zeiten mithalten.

Gerade hat Fernando Torres das 1:0 im EM-Finale 2008 erzielt - und Spanien zum zweiten Mal zum Europameister gemacht
Gerade hat Fernando Torres das 1:0 im EM-Finale 2008 erzielt - und Spanien zum zweiten Mal zum Europameister gemacht | VINCENZO PINTO/Getty Images

In der Folge entwickelte sich ein einziger Monolog der Tiki-Taka spielenden Mannen von Luis Aragonés. Das beste aus deutscher Sicht war an diesem Abend wahrscheinlich noch das Ergebnis, das sich mit 0:1 in Grenzen hielt. Hätte Spanien damals richtig ernst gemacht, wären es wohl zwei oder drei Gegentore mehr geworden.

2010, bei der WM in Südafrika, glaubte man dann hierzulande, zumal nach den berauschenden Achtel- und Viertelfinal-Erfolgen (gegen England und Argentinien), bereits an den vierten WM-Titel. Und musste dann doch neidlos anerkennen, dass das Niveaugefälle zu den Spaniern immer noch zu groß war.

Carles Puyol stößt mit diesem Kopfballtreffer das Tor zum Finale der WM 2010 auf
Carles Puyol stößt mit diesem Kopfballtreffer das Tor zum Finale der WM 2010 auf | Clive Mason/Getty Images

Zwar war das Halbfinale von Durban schon sehr viel ausgeglichener als das EM-Finale in Wien zwei Jahre zuvor, doch eine echte Chance (bis auf den zaghaften Volleyschuss von Kroos) hatte die Mannschaft nicht vorzuweisen. Dass es dann ausgerechnet ein Kopfball nach einer Ecke war, der die Spanier in ihr erstes WM-Finale hievte, machte die Sache auch nicht besser. Selbst in den ureigenen deutschen Domänen waren die Spanier mittlerweile an ihrem früheren Lehrmeister vorbeigezogen.

Vorbei die Zeiten, als Deutschland zwar stets Probleme mit den Spaniern hatte, aber sich dennoch am Ende immer durchsetzen konnte. Wie 1966 bei der WM in England, als es des legendären Jahrhundert-Tors von Lothar Emmerich (und eines weiteren von Uwe Seeler sechs Minuten vor Schluss) bedurfte, um den denkbar knappen 2:1-Sieg festzuzurren. Oder bei der WM 1982, in Spanien, als Deutschland eine mittelmäßige Leistung reichte, um den Gastgeber des Turniers aus selbigem zu werfen.

Zuletzt ein 1:1

In der als Pflichtspiele geltenden Nations League ist die Bilanz, nach erst einem Spiel, logischerweise ausgeglichen. 1:1 trennten sich beide Teams vor zweieinhalb Monaten (somit also unter corona-bedingtem Ausschluss von Stadionbesuchern) in Stuttgart.

Bilanz gegen Spanien insgesamt: 24 Spiele; 9 Siege, 8 Unentschieden und 7 Niederlagen bei einem Torverhältnis von 30 zu 25. (Quelle: weltfussball.de)

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