1. FC Kaiserslautern

So plant Kaiserslautern die 2. Liga - Was ist bisher passiert? Wo gibt es noch Bedarf?

Christian Naß
Nach vier Jahren wird am Betzenberg im Fritz-Walter-Stadion wieder Zweitligafußball gespielt
Nach vier Jahren wird am Betzenberg im Fritz-Walter-Stadion wieder Zweitligafußball gespielt / Christian Kaspar-Bartke/GettyImages
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Nach einer gefühlten Ewigkeit ist der 1. FC Kaiserslautern zurück in der 2. Liga. Damit es nicht nur eine einjährige Stippvisite wird, muss man sich auf dem Betzenberg gut aufstellen. Wir schauen, was in diesem Transfersommer bereits passiert ist. Wer wird den Verein verlassen? Welche Bereiche müssen verstärkt werden? Wie sieht es mit den Finanzen aus?


Was ist schon passiert?

Sportvorstand Thomas Hengen hat mit einer unpopulären Entscheidung kurz vor der Relegation gegen Dynamo Dresden für Aufsehen gesorgt. Er ersetzte Trainer Marco Antwerpen durch Dirk Schuster. Dieses Risiko wurde belohnt. Die Roten Teufel konnten sich in den beiden Relegationsspielen durchsetzen und werden in der kommenden Saison wieder in der zweithöchsten deutschen Spielklasse vertreten sein.

Antwerpen hatte sowohl in der Mannschaft als auch bei den Fans ein sehr gutes Standing. Als das Team sich bei der Aufstiegsfeier in Kaiserslautern bei ihrem Ex-Coach bedankte, brachen Jubelstürme bei den Fans aus.

Schuster muss sich dieses Ansehen erst noch erarbeiten. Mit dem geglückten Aufstieg hat er den perfekten Grundstein dafür bereits gelegt.

Neuzugänge

  • Lars Bünning (SV Meppen, ablösefrei)
  • Julian Krahl (Viktoria Berlin, ablösefrei)
  • Ben Zolinski (Erzgebirge Aue, ablösefrei)

Erst seit Ende Mai ist klar, in welcher Liga der FCK in der kommenden Saison antreten wird. Dies verzögerte die Planungen für die neue Spielzeit erheblich.

Mit Lars Bünning konnte bisher ein Neuzugang für die Defensive präsentiert werden. Der 24-jährige Innenverteidiger kommt ablösefrei vom Drittligisten SV Meppen. Der gebürtige Hamburger hat sich nach eigenen Angaben schon vor dem feststehenden Aufstieg für Kaiserslautern entschieden. Genau solche Spieler, die unabhängig von der Ligazugehörigkeit bei einem Verein spielen wollen, sind wichtig für ein Team.

Mit Julian Krahl wurde bislang ein Torwart verpflichtet. Der 22-Jährige kommt von Drittliga-Absteiger Viktoria Berlin und ist wohl als Nummer zwei eingeplant. Der 30-Jährige Ben Zolinski bringt für die Offensive viel Zweitliga-Erfahrung mit. Auch er kam ablösefrei.

Bereits klar ist auch, dass Kenny Prince Redondo und Philipp Hercher bei den Roten Teufeln bleiben. Gleiches gilt für Abwehrriese Kevin Kraus. Bei allen Dreien greift eine Vertragsoption aufgrund des Aufstiegs.

Auch im Vertrag von Hikmet Ciftci gibt es eine solche Klausel. Es wird erwartet, dass sein Kontrakt ebenfalls verlängert wird. Ein Argument für einen Verbleib am Betzenberg könnte auch Trainer Schuster sein, den Ciftci noch aus seiner Zeit in Aue kennt und zu schätzen weiß.

Wer wird den FCK verlassen?

Durch den Trainerwechsel ist eine Prognose, wer künftig im Dress des FCK auflaufen wird, sehr schwierig.

Die Leihverträge von Felix Götze (FC Augsburg), Marvin Senger (FC St. Pauli) und Simon Stehle (Hannover 96) laufen aus. Speziell der Abgang von Götze wäre ein Verlust für die Mannschaft. Sein Vertrag in Augsburg läuft noch bis zum Sommer 2024. Seine Einsatzchancen dort sind eher gering, sodass eine erneute Leihe durchaus Sinn ergeben würde.

Die auslaufenden Verträge von Lucas Röser, Alexander Winkler, Anil Gözütok und Nicolas Sessa sollen nicht verlängert werden.

Vorerst von ihrer Leihe zurückkehren werden Marius Kleinsorge (Rot-Weiß Essen) und Jonas Weyand (Schott Mainz). Beide besitzen noch einen gültigen Vertrag in Kaiserslautern bis zum Sommer 2023, sind aber ohne Perspektive im Verein.

Ganz bitter: Stammkeeper Matheo Raab hat sich für einen Wechsel zum HSV entschieden und verlässt den FCK somit ablösefrei.

Abgänge

  • Mateo Raab (HSV, ablösefrei)
  • Lorenzo Otto (SSV Ulm, ablösefrei)
  • Alexander Winkler (?, ablösefrei)

Welche Baustellen gibt es noch?

Nach dem Raab-Abgang ist die Torwart-Position eine große Baustelle. Der FCK braucht dringend eine neue Nummer eins. Zuletzt wurde über eine Rückkehr von Tobias Sippel spekuliert. Favorit ist aktuell aber Andreas Luthe. Der Union-Keeper ist günstiger zu haben als Sippel.

Mit Hikmet Ciftci soll der Vertrag verlängert werden. Daneben ist der Sturm ein Schwachpunkt im Team. Vor der Winterverpflichtung von Terrence Boyd war der FCK schwer ausrechenbar, da nahezu jeder Spieler ein Tor erzielte. Danach wurde Boyd zum Zielspieler und dankte es mit acht Toren in 13 Spielen. Allerdings wurde das Spiel der Lauterer dadurch für die Gegner leichter lesbar. Ein simples Doppeln von Boyd reichte meist aus, um die Offensive der Pfälzer lahm zu legen. Dies spiegelte sich auch in den letzten Ligaspielen wider.

Das Spielsystem in der 2. Liga wird sich ändern. Der FCK wird nicht mehr der Favorit in den Duellen sein und sich vornehmlich auf das Kontern beschränken. Für Tempogegenstöße ist Boyd allerdings zu langsam. Ein schneller, wendiger Stürmer könnte hier Abhilfe schaffen.

Zusätzlich würde etwas Zweitligaerfahrung den Betzebuben gut zu Gesicht stehen. Ein Grund, warum sich Sportvorstand Hengen auf den Ersatzbänken der Bundesliga umsehen will.


Welche Spieler werden gehandelt?

Der kicker berichtete zuletzt, dass man in Kaiserslautern Interesse an Erik Thommy habe. Sein Vertrag beim VfB Stuttgart läuft aus. Er wäre somit ablösefrei zu haben und könnte für die fehlende Geschwindigkeit sorgen. Allerdings hat Thommy eine lange Krankengeschichte.

Laut Saarbrücker Zeitung ist zudem Patrick Schmidt beim FCK im Gespräch. Der Stürmer steht derzeit noch bis 2024 beim FC Ingolstadt unter Vertrag. Schmidt konnte in der abgelaufenen Saison in 26 Pflichtspielen für die Schanzer vier Tore erzielen und einen Treffer vorbereiten.


Wie steht es um die Finanzen?

Durch die Insolvenz im Juni 2020 konnten die Pfälzer bei null starten. Mit der Saar-Pfalz-Invest GmbH und einer Investorengruppe um die Pacific Media Group konnte man inzwischen zwei größere Geldgeber an Bord holen. Zusätzlich erhöhen sich die TV-Einnahmen deutlich aus rund acht Millionen Euro. Auch die Zuschauereinnahmen sollten durch die attraktiveren Gegner wieder ansteigen. Allerdings steigt durch den Aufstieg die Stadionmiete von 625.000 auf 2,4 Millionen Euro. Trotzdem ist der Verein finanziell gut aufgestellt. Dennoch wird Hengen bei den kommenden Transfers nicht mit Geld um sich werfen können und wollen.


Fazit: Was ist drin für den FCK?

Gerade bei Traditionsvereinen sind die Träume und Ambitionen groß. Das ist auch in Kaiserslautern nicht anders. Aber als Aufsteiger wird man die gesamte Saison über als Underdog in die Spiele gehen. Wie schwer es ist, die Klasse zu halten, hat die letzte Saison gezeigt. Von den drei Aufsteigern der Vorsaison konnte lediglich Hansa Rostock den direkten Wiederabstieg verhindern. Wenn die Verantwortlichen und das Umfeld auf dem Betzenberg auch in schlechteren Saisonphasen die Ruhe bewahrt, könnte es mit dem Klassenerhalt klappen.


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