Wenn Manchester United und Tottenham Hotspur zuletzt aufeinanderprallten, war für genügend Gesprächsstoff gesorgt: sowohl unter rein sportlichen Aspekten - als auch in Bezug auf die Reaktionen der beiden Trainer. Beste Freunde werden Ole Gunner Solskjaer und José Mourinho in diesem Leben wohl nicht mehr.



Rückblick: am offiziell 4. Spieltag (faktisch war es für die Red Devils der dritte) überfuhren die Heißsporne ihre nordenglischen Kollegen mit sage und schreibe 6:1. Und das im Old Trafford!


Angesichts der Eindeutigkeit des Resultates kamen Solskjaers anschließende Äußerungen bezüglich der Roten Karte seines Angreifers Anthony Martial etwas befremdlich daher. Der Franzose hatte sich zu einer Tätigkeit gegen Erik Lamela hinreißen lassen - und war anschließend vom Referee vom Platz gestellt worden.


Solskjaers ironisch übertriebene Formulierungen...


Hinterher warf Solskjaer dem Argentinier unverhohlen Schauspielerei vor, als er sagte: "Wenn das mein Sohn wäre, bekäme er zwei Wochen lang nur Brot und Wasser." Mal abgesehen von der etwas herzlos wirkenden Formulierung - es war lediglich ein Stilmittel, mit dem er seine Wut über Lamelas - in seinen Augen - unsportliches Verhalten ausdrücken wollte. (Quelle: kicker.de).


Offenbar hat Solskjaer dieses Stilmittel so gut gefallen, dass er es nach dem Spiel am Sonntag (das seine Mannschaft, nur so nebenbei, mit 3:1 gewann) in abgewandelter Form noch einmal benutzte. Diesmal war Heung-min Son sein (imaginärer) Sohn.


Dem er - die genetische Vaterschaft vorausgesetzt - gar "nichts zu essen geben würde". Auch diesmal war eine Schiedsrichterentscheidung gegen sein Team der Auslöser für die Solskjaer'schen Einblicke in dessen "Erziehungsmethoden".


Denn dem vermeintlichen Führungstor der Gäste in der 34. Spielminute wurde nach VAR-Überprüfung die Anerkennung verwehrt, weil Uniteds Scott McTominay in der Entstehung des Treffers den Südkoreaner Son im Gesicht getroffen hatte. Ob nun beabsichtigt oder nicht, ist in diesem Zusammenhang unwichtig.


Ziemlich beste Kollegen werden José Mourinho und Ole Gunnar Solskjaer wohl nicht mehr

Der bereits verwarnte McTominay musste am Ende sogar froh sein, nicht die durchaus mögliche Ampelkarte gezeigt bekommen zu haben.


Doch statt es dabei zu belassen - wie gesagt: sein Team gewann am Ende mit 3:1 -, wollte Solskjaer offenbar die Gelegenheit nicht verstreichen lassen, seine Sicht der Dinge darzutun. Ohne diesmal die Dauer der Strafaktion zu benennen, würde der Norweger den Südkoreaner also gleich auf Null-Diät setzen.


Und so geschmackvoll (oder geschmacklos, je nach Sichtweise) solche Aussagen auch sein mögen - man muss sie auch nicht höher hängen, als sie wirklich sind.


...und was Mourinho daraus macht


Doch natürlich fallen derartige Aussagen der Berufskollegen vor allem bei José Mourinho meist auf fruchtbaren Boden. Der Portugiese nutzte dann auch die anschließende Pressekonferenz, um vor allem erstmal von der 1:3-Niederlage seines Teams abzulenken.


Mit staatstragender Miene erklärte der 58-Jährige sein "völliges Unverständnis" darüber, dass die Ausführungen seines Kollegen den versammelten Journalisten im Raum offenbar keine Rückfragen wert waren.


"Das", so Mourinho, sei "sehr, sehr traurig". Und einmal in Fahrt gekommen, holte Mourinho auch gleich die Ethik-Keule aus seinem Repertoire. "Es ist traurig, dass Sie nicht die moralische Aufrichtigkeit haben, mich genauso zu behandeln wie andere."


Um sich danach natürlich auch noch auf den Berufskollegen einzuschießen: "Ich möchte nur sagen: 'Sonny' hat großes Glück, dass sein Vater ein besserer Mensch ist als Ole. Ich bin auch Vater, und ich denke, als Vater musst du deine Kinder immer ernähren, egal, was sie tun. Wenn du stehlen musst, um sie zu ernähren, stielst du." Dies habe er dem United-Trainer auch so mitgeteilt.


Ob Mourinho Solskjaers Kommentare tatsächlich im Wortsinn interpretiert hat und in ihnen die darin angedeuteten Erziehungsmethoden des Norwegers offengelegt sehen will, darf bezweifelt werden.


Ohne jeden Zweifel jedoch hat er wieder einmal die Chance genutzt, vom Kern einer Sache (dem Ergebnis eines Fußballspiels) abzulenken. Viel mehr kann man nach einer 1:3-Heimniederlage gegen einen direkten Kontrahenten wohl auch erstmal nicht tun.