Tottenham Hotspur hat in dieser Saison ganz Mourinho-untypisch einige Spiele mit starkem Angriffsfußball gespielt. Nach dem 4:5 n.V. beim FC Everton könnte das aber Geschichte sein, Aussagen des Managers und der Trend der vergangenen Wochen lassen darauf schließen.


Was war das für ein dramatisches Spiel im Achtelfinale des FA Cups, bei dem der FC Everton Tottenham Hotspur mit 5:4 nach Verlängerung besiegte. Fantastisch zum Anschauen sei es gewesen, wie der Reporter der BBC im Interview mit Spurs-Manager Jose Mourinho sagte - zumindest für den neutralen Beobachter. "Ich bin nicht neutral", merkte der Portugiese natürlich an.


"Hätten locker gewinnen müssen"


Besonders angefressen wirkte Mourinho aber nicht, mit einem verschmitzten Lächeln lieferte er seine Analyse des Geschehenen: "Wenn man vier Tore erzielt, besonders auswärts, dann muss man gewinnen. So, wie wir gespielt haben, hätten wir locker gewinnen müssen."


Warum es trotzdem nicht reichte? Dafür muss man kein Genie sein, denn vier eigene Tore helfen einem schließlich nichts, wenn man dann im Gegenzug fünf kassiert. "Angriffsfußball mit Abwehrfehlern gewinnt keine Spiele", fügte Mourinho noch hinzu - und das kann schon fast als Drohung verstanden werden.


Der 58-Jährige war Zeit seiner Karriere als ein sehr defensiv orientierter Trainer bekannt, der gerne auch mal den Bus vor dem eigenen Tor parkt und lieber 1:0 gewinnt statt 4:3. Auch bei den Spurs setzt Mourinho auf eine geordnete Defensive und hat damit Erfolg: 22 Gegentore in der Premier League sind die wenigsten nach Manchester City.


Mourinho kann auch anders - aber will er es noch?


Allerdings ist das nicht mehr Mourinhos alleiniges Steckenpferd, die Nord-Londoner haben in dieser Spielzeit auch schon gezeigt, dass sie es anders können und zum Beispiel in Southampton (5:2) oder bei Manchester United (6:1) offensive Feuerwerke abgeliefert. Längst ist es Mourinho nicht mehr nur wichtig, hinten stets die Null zu halten.


Harry Kane (l.) und Heung-min Son bilden Tottenhams treffsicheres Sturmduo.

In den vergangenen Wochen war allerdings wieder ein gegenläufiger Trend zu sehen. Gerade gegen stärkere Gegner wie Leicester, Liverpool oder Chelsea war Tottenham sehr defensiv eingestellt. Man darf erwarten, dass das auch am Samstag bei Manchester City der Fall sein wird, gerade nach diesem FA-Cup-Spiel mit so vielen Gegentoren. Dass auch die defensive Haltung gegen die Top-Teams stets zu Niederlagen führte, dürfte Mourinho dabei nicht kümmern.