Mehr als zehn Jahre ist es mittlerweile her, als der VfL Bochum zuletzt in der Bundesliga vertreten waren. Die letzten Spielzeiten in Liga 2 waren dagegen eher ein Auf und Ab, welches jedoch nie in einem Aufstieg endete. Dies könnte sich aber dieses Jahr ändern. So hat das Team von Thomas Reis einen echten Lauf und schickt sich an, den Aufstieg fix zu machen.


"Wir steigen auf, wir steigen ab und zwischendrin UEFA-Cup", so das Motto der Bochumer in früheren Zeiten. In den letzten Jahren herrschte jedoch meist trister Zweitliga-Alltag mit wechselhaften Leistungen. Kein Wunder also, dass die Bochumer auch vor der Saison niemand auf der Rechnung hatte. Doch wenn uns die letzten Jahre eins gelehrt haben, dann die Tatsache, dass die Zweite Bundesliga unberechenbar ist. So waren auch die Aufstiege von Bielefeld, Union Berlin oder Paderborn nicht unbedingt zu erwarten. Nun macht es ganz den Anschein, als würde der VfL in die Fußstapfen dieser Klubs treten. Die Tabellensituation dürfte zumindest den Bochumern Fans ein breites Lächeln auf die Lippen zaubern. Nach dem 2:1-Sieg gegen Greuther Fürth, führt der Underdog die Tabelle mit 48 Punkten an und hat bereits sechs Punkt Vorsprung auf den Hamburger Sportverein. So präsentiert sich das Team, im Gegensatz zum HSV, seit Wochen in Topform. Zuletzt gewann die Reis-Elf vier der letzten fünf Partien und verlor im Jahr 2021 erst zweimal. Eine beachtliche Bilanz, zumal die anderen Aufstiegsaspiranten derzeit nicht unbedingt mit Konstanz glänzen.


Bochum ist Hannover und Düsseldorf bereits enteilt: Schütteln sie jetzt auch Hamburg ab?


Die Ausgangslage für Bochum ist definitiv aussichtsreich, zumal mit Kiel und Fürth auf zwei und drei auch keine Teams stehen, die einen überlegenen Spielerkader aufzuweisen haben. Die höher gewetteten Teams aus Düsseldorf und Hannover haben dagegen bereits zwölf Punkte Rückstand. In der nächsten Woche könnte man auch die Hamburger noch weiter abschütteln, zumal hier das direkte Aufeinandertreffen stattfindet. Das die direkten Duelle um den Aufstieg nicht unbedingt eine Hamburger Spezialität sind, hat sich bereits in den letzten Jahren gezeigt.


Kommt Bochum mit der Rolle des gejagten klar?


Trotz der sensationellen Konstellation ist der Weg bis zum Aufstieg jedoch noch ein weiter. So rücken die Bochumer als Tabellenführer mit jeder Woche mehr aus der Position des Underdogs heraus. Alles was in den letzten Wochen so leicht ging, könnte sich also schon bald schwieriger gestalten. So benötigt es weiterhin solider Arbeit, Druckresistenz aber vor allem auch Geduld. So werden die meisten Gegner dazu neigen, den Bochumern den Ball zu überlassen und versuchen mit blitzschnellen Nadelstichen zurückzuschlagen. So gilt es für den Tabellenführer auch die Nerven nicht zu verlieren, wenn der Ball mal nicht rein will. Bislang konnte sich der Klub meist auf seine Effizienz verlassen. So war am Freitag Fürth die überlegene Mannschaft, die Bochumer mit zwei Treffern bei neun Versuchen aber effektiver.


Hinten Riemer und vorne Zulji und Zoller: Gelingt Bochum so der Aufstieg?


Neben einer kompakten Mannschaftsleistung wird es aber im Aufstiegskampf auch um individuelle Qualität gehen. Hierbei ist Robert Zulji der Mann, auf dem es vermutlich am meisten ankommen wird. Der offensive Mittelfeldakteur ist mit zwölf Toren und zehn Vorlagen derzeit der zweitstärkste Scorer der Liga und an fast jedem Angriff beteiligt. Gleiches gilt auch für Simon Zoller, der mit 18 Scorerpunkten auf Rang drei liegt. Das Offensivduo verfügt über eine unglaubliche Erfahrung, was den Bochumern in den entscheidenden Spielen zu Gute kommen dürfte. Doch nicht nur in der Offensive kann Bochum auf verlässliche Kräfte bauen, sondern auch am anderen Ende des Spielfeldes. So ist Keeper Manuel Riemer einer der sichersten Schlussmänner der Liga, was auch dazu beiträgt, dass die Abwehr in der Regel gut steht. Ein entscheidender Faktor in Hinblick auf die nächsten Wochen könnte auch Danilo Soares werden. So galt der 24-Jährige schon immer als großes Talent, wurde jedoch von vielen Verletzungen zurückgeworfen. Nun ist der Außenverteidiger topfit und bringt den unbedingten Willen mit, sich in der ersten Liga zu beweisen. Tatsächlich sind die Bochumer das Team, dass den Spagat zwischen Angriff und Abwehr am besten schafft. Hierfür spricht, dass man die beste Torbilanz (+21) aufweist und von allen Teams am drittmeisten Tore erzielt und am zweitwenigsten Gegentore bekommen hat.


So bleibt festzuhalten, dass das Team auf jeden Fall gefestigt und stark genug scheint, den Traum vom Aufstieg wahr werden zu lassen. Nur noch wenige Glanzparaden von Riemer, Traumpässe von Zulji oder Tore von Zoller und schon könnten die Gegner bald FC Bayern und Borussia Dortmund lauten. Wegweisend wird aber insbesondere das Duell mit dem HSV am kommenden Wochenende sein.