Als fast alle bei Atlético Madrid die Hoffnungen schon aufgegeben hatten, erfand sich der französische Stürmer Thomas Lemar neu. Beziehungsweise: knüpfte endlich an die Leistungen an, die seinen aktuellen Arbeitgeber vor zweieinhalb Jahren dazu brachten, satte 72 Millionen Euro (für 70 Prozent der Rechte an dem Spieler) an die AS Monaco zu überweisen.


Doch bis dahin mussten sie im Wanda Metropolitano (und vorher noch im alten Vicente Calderón) mehr als zwei Jahre lang eine fast übermenschliche Geduld aufbringen. Und wiesen in dieser Zeit Schlagworte wie "Fehleinkauf" oder "Multi-Millionen-Missverständnis" mit beschwörenden Formeln und inständigen Bitten um Geduld von sich. Ein Großteils des Dankes dafür sollte der Spieler dabei an seinen Trainer Diego Simeone richten.


Denn der verlor (wohl auch aufgrund des hohen Betrages, den die Colchoneros für den damals 22-Jährigen bezahlt hatten) nie die Hoffnung, aus Lemar wieder den Spieler zu machen, der seinerzeit mit der AS Monaco halb Europa verzauberte.


Seit mehreren Wochen nun sendet Lemar deutliche Signale eines Wandels aus. Seine Einsatzzeiten in der Liga haben sich explosionsartig vermehrt. Kam er in der gesamten vergangenen Saison auf insgesamt 920 Spielminuten, sind es nach 15 Spielen in der laufenden Spielzeit schon deren 636. Tendenz steigend.


"Haben sonst keinen mit dieser Ballführung und dieser Schusstechnik!"


Nicht zuletzt auch deshalb, weil er in den letzten vier Spielen in Folge in der Startelf stand. "Er spielt sehr gut", kommentiert Simeone via as den Formanstieg seines einstigen Sorgenkindes. Und hebt dabei auch die besonderen Eigenschaften des schnellen Außenstürmers hervor: "Wir haben im Kader sonst keine Spieler mit dieser Ballführung und dieser Schusstechnik. Hoffentlich können wir ihm weiterhin das Selbstvertrauen einflößen, denn er kann uns noch viel bieten."


Wie zum Beispiel Tore. Oder deren Vorbereitungen. Standen die Felder in diesen Rubriken für ihn im letzten Jahr in allen Wettbewerben leer, konnte er sich in der laufenden Saison immerhin schon zweimal als Torschütze auszeichnen.


Seinem Treffer im Liga-Heimspiel gegen Real Valladolid Anfang Dezember (seinem ersten in LaLiga seit mehr als eineinhalb Jahren!) ließ Lemar elf Tage später im unangenehmen Pokalspiel beim Viertligisten CD Cardassar den Büchsenöffner zum 1:0 (Endstand 3:0) folgen.


Freilich sind insgesamt 3 Scorerpunkte (ein Assist kommt noch in der Champions League hinzu) in bislang 20 wettbewerbsübergreifenden Spielen für einen Spieler, der 70 Millionen Euro gekostet hat, immer noch kein Grund, vor Freude durch die Decke zu gehen - ein erster Anfang jedoch ist schon mal gemacht.