​Momentan läuft es beim ​Hamburger SV. Tabellenführung in der Zweiten Liga, beste Defensive, beste Offensive - der Kurs ist ganz klar Richtung Wiederaufstieg. Aber wie das im Fußball nun mal so ist: Auch in einer sportlich erfolgreichen Mannschaft gibt es "Verlierer", d.h. Spieler, die nur selten zum Einsatz kommen und an der positiven Gesamtentwicklung ihrer Mannschaft kaum bis gar nicht teilhaben. Das ist beim Dino nicht anders. Wir haben mal ein paar Namen von Spielern zusammengestellt, die momentan hintendran sind und eventuell schon im Winter das Weite suchen könnten. 


"Mentalitätsmonster" Papadopoulos nur noch dritte Wahl


Ein Name fällt da natürlich besonders oft: ​Kyriakos Papadopoulos. Vom einstigen "Mentalitätsmonster" zum Verzichtbaren geworden. Dass mit dem Brasilianer Ewerton nun ein weiterer Innenverteidiger ins Training der Rothosen eingestiegen ist und perspektivisch die Führungsrolle in der Hamburger Abwehr übernehmen wird, macht seine Situation beim HSV nicht einfacher. 


Wer Papa kennt, weiß, dass es in ihm brodelt. Vor allem die Umstände rund um das letzte Spiel gegen die SpVgg Greuther Fürth dürften ihm alles andere als gefallen haben. Nach Jungs Verletzung beim Jahn Regensburg am Spieltag zuvor war während der gesamten Trainingswoche über dessen Ersatz im Heimspiel gegen die Franken spekuliert worden. Hecking selbst gab der Hoffnung des Griechen Nahrung, als er seine Verwunderung darüber äußerte, dass dessen Name in diesen Überlegungen kaum genannt wurde. 


Zudem lobte er die Trainingsintensität des Hellenen. Doch am Ende spielte Letschert neben van Drongelen in der Innenverteidigung - und Hecking sprach nach dem Spiel davon, dass seine Entscheidung zwischen Letschert und Jonas David gefallen war. Von Papadopoulos war da keine Rede mehr. 


Deutlicher kann man einem Spieler seinen geringen Wert für die Mannschaft nicht übermitteln. 

Das Problem bei Papa ist sein Gehalt: Mehr als zwei Millionen Euro streicht er jährlich ein. Für einen Zweitliga-Spieler absolut oberes Level. Hinzu kommt seine hinlänglich bekannte Verletzungsanfälligkeit. Kurios: Genau die war es, die den Deal für den HSV im Winter 2017 erst möglich machte. Denn ein fitter und verletzungsresistenter Kyriakos Papadopoulos wäre wohl nie aus Leverkusen weggegangen. 


Sollte sich die personelle Lage beim HSV, speziell in der Defensive, bis zum Winter nicht dramatisch verschlechtern, ist es mehr als wahrscheinlich, dass der Grieche den HSV im nächsten Transferfenster verlässt. Sein Gehalt ist zwar für den HSV und für die Zweite Liga recht üppig - im internationalen Vergleich aber eher durchschnittlich hoch. Chance auf einen Weggang: 75 %. 


Bobby Wood: Auch im zweiten Anlauf kein Durchbruch


Ein zweiter Name ist natürlich ​Bobby WoodWas wurde nicht schon über dieses Sorgenkind geschrieben? Sein zweiter Anlauf beim HSV (nach seiner Leihe nach Hannover unmittelbar nach dem Bundesliga-Abstieg 2018) stellte sich anfangs recht positiv dar: Er wirkte offener, zugänglicher als vorher. 


Allein: Die sportliche Misere hielt an. In fast keinem Spiel in der Vorbereitung konnte Wood so richtig überzeugen. Auch in den 23 Minuten (!), die er bisher für den HSV in der laufenden Spielzeit zum Einsatz kam, war außer dem Bemühen nicht viel zu erkennen. 


Die Strategie von Dieter Hecking während der Saisonvorbereitung, den US-Amerikaner irgendwie stark zu reden, hat am Ende nicht gefruchtet. Wood ist ein Null-Faktor im aktuellen HSV-Kader - und daran wird sich wohl auch in Zukunft nicht viel ändern. 


Wobei es im Fußball ja mitunter sehr schnell gehen kann, und auch schon die verrücktesten Dinge passiert sind. Aber Märchen haben beim HSV in den letzten Jahren selten stattgefunden, sodass man hier einfach nüchtern und pragmatisch konstatieren muss: Wenn sich ein Käufer finden sollte, würde der HSV ihn liebend gern ziehen lassen. Um wenigstens das letzte Vertragsjahr (Wood ist noch bis 2021 an den Klub gebunden) sein fürstliches Gehalt (mehr als 2 Millionen Euro) nicht mehr bezahlen zu müssen. 


Doch aktuell scheint es keine Interessenten für ihn zu geben. Deshalb liegt die Wahrscheinlichkeit auf einen winterlichen Abgang des Hawaiianers nur bei schlappen 25 %. 


Vom U21-Europameister zum Regionalliga-Spieler


Spannend dürfte weiterhin die Personalie ​Julian Pollersbeck bleiben. Rein vom Können müsste der gebürtige Bayer eigentlich die klare Nummer Eins beim HSV sein. Der Mann wurde mit teils überragenden Leistungen noch vor knapp zwei Jahren U21-Europameister. Doch an seiner Person kann man exemplarisch nachweisen, dass Talent und potentielles Können allein nicht ausreichen, wenn die entsprechende Einstellung fehlt. Schon seit alter Torwart-Trainer aus Kaiserslauterer Zeit, Gerry Ehrmann, warf dem 25-Jährigen mehr als einmal dessen mangelnde Leistungsbereitschaft vor. 


Beim HSV erlebten und erlitten sie diese dann sozusagen am eigenen Leib: Nicht alles, natürlich, aber vieles, was in der vergangenen Rückrunde beim HSV schief lief, machten die Verantwortlichen auch an seinem Namen fest. Gerüchte über lange Hamburger Nächte, mit Pollersbeck mittendrin, machten die Runde. 


Mit schätzungsweise 700.000 Euro Jahresgehalt gehört Pollersbeck zu den Top-Verdienern im Kader. Dennoch ist diese Entlohnung für einen interessierten Erstliga-Klub kein Hindernis, ihn zu verpflichten. Im Sommer gab es zeitweise Gerüchte um ein Engagement beim FC Porto, die sich aber am Ende zerschlugen. Pollersbeck selbst wollte, trotz der Perspektive hinter Neuzugang Daniel Heuer Fernandes nur als Nummer Zwei in die Saison zu gehen, Hamburg nicht verlassen. 


Um Spielpraxis zu bekommen und nicht völlig aus dem Rhythmus zu geraten, spielte er zuletzt für die Zweite des HSV in der Regionalliga, hielt da sogar schon zwei Elfmeter, fing sich aber auch - so ehrlich muss man sein - beim letzten Spiel gegen Lübeck zwei seltsame Gegentore ein. 


Der HSV hat mit Heuer Fernandes einen soliden, wenn auch nicht völlig außerhalb jeglicher Kritik stehenden Torwart. Ein paar Patzer hat er in dieser Saison schon angehäuft. Zudem ist sein Spiel mit dem Ball am Fuß nicht so souverän wie das von Pollersbeck. 


Dennoch wird Hecking auf dieser Planstelle keine neue Baustelle eröffnen. Mit Tom Mickel steht ein solider, wenn auch nicht überragender Zweiter Torwart Gewehr bei Fuß. Bei einem entsprechenden Angebot, daran hat sich bei den Verantwortlichen wohl nichts geändert, kann Pollersbeck gehen. Wahrscheinlichkeit: 40 %.