Ähnlich wie der ​1. FC Köln befindet sich der Hamburger SV in der aktuellen Phase des Abstiegskampf in einer Achterbahnfahrt. Nachdem man in der vergangenen Woche durch den wichtigen Sieg über Schalke 04 neue Hoffnung im Kampf um den Klassenerhalt schöpfte, machte sich nach der 0:2-Niederlage bei 1899 Hoffenheim wieder Ernüchterung bei den 'Rothosen' breit. Nach der Partie haderten ​Trainer Christian Titz und seine Spieler mit der Mannschaftsleistung, richteten den Kopf jedoch schnell nach vorne.


Auf den ersten Blick lesen sich die Leistungsdaten des Hamburger SV aus der Partie gegen die TSG Hoffenheim nicht allzu schlecht. Die Mannschaft von Christian Titz stellte ihre Laufstärke bei rund 124 abgespulten Kilometern erneut unter Beweis und überzeugten bei 60 Prozent Ballbesitz mit einer guten Passquote von 81 Prozent.


Das größte Manko des HSV war jedoch die erneut schwache Darbietung in den Zweikämpfen: Mit gerade einmal 41 Prozent gewonnener Duelle bot die Mannschaft die schwächste Leistung, seit Titz das Amt des Cheftrainers vor wenigen Wochen übernommen hat. Besonders in den ersten 45 Minuten waren die Hanseaten gegen spielfreudig agierende Hoffenheimer unterlegen und gerieten schon nach 18 Minuten in Rückstand.

TSG 1899 Hoffenheim v Hamburger SV - Bundesliga

  Ratlosigkeit in Hamburg: Kapitän Gotoku Sakai war mit dem Auftritt seiner Kollegen                                                           sichtlich unzufrieden



"Wir waren völlig zurecht 0:2 nach der ersten Hälfte hinten. Wir hätten uns nicht beschweren dürfen, wenn es noch ein Tor mehr gewesen wäre", wurde Titz im Anschluss an die Partie von der Hamburger Morgenpost zitiert. Die schwache Zweikampfquote war dem 47-Jährigen dabei besonders ein Dorn im Auge: "Keiner hat zugepackt. Wir haben das Spiel völlig verdient verloren."


Besonders in den ersten 45 Minuten sei man "nicht eng genug an den Gegenspielern gewesen", so Titz laut der vereinseigenen Website. Zwar habe man die Makel in der Kabine "klar angesprochen", doch trotz einer Leistungssteigerung in der zweiten Hälfte ärgerte er sich über die fehlende Zielstrebigkeit in den Aktionen nach vorne: "Die eine oder andere Situation hätten wir dann besser zu Ende spielen müssen, aber wir hatten eine schlechte Box-Besetzung."


Gideon Jung bemängelte ebenfalls den Auftritt in der ersten Halbzeit. Man habe "einfach gepennt", so der 23-Jährige. "Wir wollten viel griffiger spielen und nach vorne Druck machen, das haben wir zu selten hinbekommen. Die Fehlerkette zog sich dann durch alle Mannschaftsteile. In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, wie gut wir gegen und mit den Ball arbeiten können. Das hat aber nicht gereicht. Im Grunde genommen war es eine verdiente Niederlage."

Gotoku Sakai fand deutlichere Worte: "In der ersten Halbzeit war es einfach zu wenig. Wir waren zu nachlässig. Es reicht in der Bundesliga nicht, nur eine Halbzeit gut zu spielen." Gleichzeitig war der Abwehrspieler darum bemüht, sich auf die restlichen Aufgaben zu konzentrieren, um das rettende Ufer nicht aus dem Auge zu verlieren: "Es ist immer schwer nach einer Niederlage positiv zu bleiben, aber wir dürfen den Glauben nicht verlieren." Auch in den Augen von Routinier Sejad Salihovic sei "noch nichts verloren. Wir müssen jetzt auf das nächste Spiel gegen Freiburg schauen."


Die Stimmungslage beim Hamburger Sport-Verein ist eindeutig: Die Mannschaft ging in der Rhein-Neckar Arena gegen stark aufgelegte Hoffenheimer verdient als Verlierer vom Platz, an Aufgeben denkt man jedoch nicht. Salihovic: "Der Druck ist natürlich da, aber in den vergangenen Wochen haben wir bewiesen, dass wir es schaffen können. Wir wollen die nächsten Spiele unbedingt gewinnen."