Bemerkenswertes Interview von Thomas Müller. Das Bayern-Eigengewächs zweifelt stark daran, dass er unter den heutigen Voraussetzungen in München den direkten Sprung zum Weltklasse-Spieler schaffen würde. Mittlerweile sei es als Jugendspieler fast unmöglich, sich bei einem europäischen Topklub wie dem FC Bayern zu etablieren.


​Als Jugendspieler des FC Bayern den Sprung zu den Profis beim Rekordmeister zu schaffen ist nicht einfach. ​Zuletzt erklärte etwa Gianluca Gaudino, warum er nach verheißungsvollem Start unter Pep Guardiola in München scheiterte. So weit wie der 21-Jährige, der mittlerweile in Italien bei Chievo Verona seine Fußballschuhe schnürt, kommen viele andere Talente nicht einmal mehr.


Um in Zukunft wieder vermehrt auf den eigenen Nachwuchs zu setzten und die Durchlässigkeit bis in die erste Mannschaft zu erhöhen, hat ​der FC Bayern im August 2017 einen neuen Jugend-Campus eröffnet. 70 Millionen Euro haben sich die Bayern das neue Nachwuchsleistungszentrum kosten lassen, wo unter besten Bedingungen die künftigen Müllers, Badstubers und Alabas entwickelt werden sollen.


Bis das Herzensprojekt von Präsident Uli Hoeneß Früchte trägt, könnte es aber noch einige Zeit dauern. Vor dem ​Rückrundenstart in Leverkusen hat Eigengewächs Thomas Müller in einem Interview mit Eurosport darüber gesprochen, wie schwer es für die Nachwuchsspieler ist, den Sprung beim FC Bayern zu schaffen.


Müller zweifelt, ob er es heute schaffen würde


"Es ist schon extrem schwierig geworden. Ich weiß nicht, ob ich den direkten Sprung geschafft hätte, wenn der Klub vor neuneinhalb Jahren schon so aufgestellt gewesen wäre, wie er es heute ist", zweifelte der 28-Jährige. Müller durfte 2008 noch unter Jürgen Klinsmann seine ersten Erfahrungen in der Bundesliga machen. Zur Saison 2009/2010 gelang ihm unter Louis van Gaal der endgültige Durchbruch. Müller erzielte in seiner ersten Spielzeit als Stammspieler 13 Bundesligatore und bereitete elf weitere Treffer vor - zusammen mit Holger Badstuber war er fortan aus der Bayern-Elf nicht mehr wegzudenken.

Bedingungen in München haben sich geändert


Fast eine Dekade später gilt Müller als Weltmeister, Champions-League-Sieger und sechsmaliger Deutscher Meister als Aushängeschild des Klubs. An ihm muss sich der Bayern-Nachwuchs messen lassen. Warum er glaubt, dass er es heute um ein Vielfaches schwerer hätte, erläutert Müller genau. "Seit 5, 6 Jahren ist der FC Bayern extrem nach vorne geprescht in Europa. Man ist vielleicht jetzt so ein Topklub wie damals Madrid, der FC Chelsea, Barcelona sowieso, die jede Position doppelt besetzt haben, auch mit internationalen Topspielern", befand er.

FC Bayern Muenchen - Training & Press Conference

Thomas Müller (hinten links) und Holger Badstuber (2. hi. l.) mit Louis van Gaal (hi. Mitte) und den Neuzugängen des FC Bayern vor der Saison 2009/2010.



Die Situation sei mit seiner Anfangszeit als Profi nicht mehr zu vergleichen: "Bei mir und beim Holger [Badstuber, Anm. d. Red.] und auch vielleicht bei David Alaba war es schon noch so, dass die Mannschaft so ein bisschen erneuert wurde." Das habe dem Trio die Möglichkeit eröffnet, ins Profi-Team vorzurücken.


Chancen für eigenen Nachwuchs gering


"Natürlich hat man immer irgendwo eine kleine Chance. Aber der Jugendspieler des FC Bayern, der es schaffen will, muss natürlich erstens mal extrem talentiert sein und zweitens genau zum richtigen Zeitpunkt gleich alles zeigen", so Müller. Genau hierbei liege die Krux, denn: "Weil es ist ja auch ein Entwicklungsschritt. Mit 18, 19 hast du nicht immer genau unter Druck deinen besten Tag", erklärte der 28-Jährige.


Folgt man Müllers Ausführungen, bleibt eine Entwicklung wie bei ihm oder auch David Alaba die Ausnahme der Regel. Daran wird sich auch durch den neuen, prunkvollen Bayern-Campus nichts ändern.