Dieter Hecking hat seit seinem Amtsantritt zur Rückrunde der vergangenen Saison nicht viele Fehler gemacht. Das von seinem Vorgänger André Schubert praktizierte Angriffspressing mit der Etablierung einer Dreierkette wurde vom 52-jährigen Fußballlehrer schnell ad acta gelegt. Hecking brachte die Borussia durch einige systemtaktische Kniffe zurück in die Erfolgsspur – und vertraute dabei auf Abläufe, die die Borussia zuvor unter Lucien Favre wieder stark gemacht hatte. Eine positive Entwicklung – die in der vergangenen Saison nach katastrophaler Hinrunde immerhin noch in Platz 9 mündete. Doch der Schein trügt mittlerweile: Wir erklären, warum die Borussia lieber heute als morgen einen Plan B entwickeln muss.


Die Borussia agiert im 4-4-2 System zurückgezogen mit zwei tiefstehenden Sechsern. Dies sorgt dafür, dass die Fohlen kaum gegnerische Ballverluste in der gefährlichen Zone provozieren können und den Gegner oftmals Kommen lassen. Dass dies nur dann ein probates Mittel ist, wenn die eigene Defensive absolut sattelfest ist, dürfte auch dem Fußballlaien verständlich sein. Das Problem der Borussia: Die Abwehr rund um Neuzugang Matthias Ginter und dem Dänen Jannik Vestergaard ist alles andere als fehlerfrei. Dass der Gegentreffer gegen die Frankfurter Eintracht aus einem Einwurf entstand, den die Borussia unzureichend verteidigte, ist symptomatisch hierfür.



Und im Spiel nach vorne? Hier sucht Gladbach allen voran gegen aggressives Forechecking, wie es die Frankfurter Eintracht und auch der FC Augsburg zuletzt gegen die Hecking-Elf betrieben, nach probaten Lösungen. Und auch wenn der Gegner sich zurückzieht, gelingt es der „Elf vom Niederrhein“ selten, echten Druck aufzubauen und dementsprechend zu vielversprechenden Abschlüssen zu kommen. Erneut dient die Begegnung gegen die Frankfurter Eintracht hierfür als Paradebeispiel. Der Borussia fehlen die Ideen – und im Fall der Fälle vielleicht auch mal ein Spieler, der für Gefahr aus dem Rückraum bei zweiten Bällen sorgen könnte. Hierfür sind weder Christoph Kramer, noch Denis Zakaria prädestiniert. Und auch Thorgan Hazard bringt viele Qualitäten mit – die Abschlussstärke indes gehört nicht dazu.


Der in Rückrunde überragende Lars Stindl fing vieles durch seine exorbitante Klasse auf. Aktuell sind weder er noch Sturmkollege Raffael, der im Laufe der Saison auch schon stolze 33 Jahre alt wird, im Vollbesitz dessen, was sie zu leisten im Stande sind. Im Gladbacher Lager vertraut man darauf, dass sich mit der Rückkehr der aktuell verletzten Ibrahima Traoré und Vincenzo Grifo einige der genannten Probleme lösen werden – dies darf anhand der System-Problematik aber bezweifelt werden.



Ungeachtet dessen sind sie bei der Borussia noch immer auf der Suche nach einem wirklichen Leader. Kapitän Lars Stindl ist kein Lautsprecher. Tony Jantschke, Christoph Kramer oder Matthias Ginter ebenso wenig. Nach dem Abgang von Granit Xhaka ist die Diskussion um eine Führungspersönlichkeit in Mönchengladbach schon des Öfteren ausgebrochen.

Den Fohlen fehlt eine ausdrucksstarke und auch kritische Persönlichkeit, die als Schnittstelle zum Trainerteam auch auf die Taktikproblematik hinweisen sollte. Ohne Alternativplan läuft die Borussia Gefahr dort zu landen, wo Lucien Favre einst entnervt aufgab.