Der Geschäftsführer von Borussia Dortmund nahm am Donnerstagabend an einer Diskussionsrunde mit dem Thema „Fußball verbindet - die gesellschaftliche Rolle der Bundesliga“ in Oldenburg teil. Dabei sprach er unter anderem über Thomas Tuchel, die Gefahr für den Fußball durch Investoren und generelle Entwicklungen in unserem Lieblingssport.


Das Hans-Joachim Watzke gerne und viel über Fußball redet, ist keine Neuigkeit. In Oldenburg konnte er gestern Abend bei einer Diskussionsrunde ausschweifend über sämtliche relevanten Themen, die den Fußball derzeit beschäftigen, reden. So erklärte er, dass die gesellschaftliche Bedeutung des Fußballs so groß wie nie zuvor sei. Vor allem die WM 2006 in Deutschland habe dem Sport hierzulande noch mal einen großen Schub verpasst. „Drei der fünf mitgliederstärksten Vereine der Welt kommen aus Deutschland - allein das zeigt bereits die hohe Relevanz in diesem Land“, so der 57-Jährige.


Fan der 50+1-Regel


Daneben stellt er auch die Forderung, dass der Fußball weiterhin bezahlbar sein muss und verweist auf die Verhältnisse in England. Dort sei aufgrund der hohen Ticketpreise die „working class“ aus den Stadien verschwunden, stattdessen würden „nur noch die Investmentbanker auf der Tribüne sitzen“. Die größte Gefahr für den Fußball hingegen sieht er durch Investoren. „Die Menschen verwechseln häufig Sponsoren und Investoren: Als Sponsor lasse ich dem Verein Geld zukommen, als Investor hingegen möchte ich den gesamten Klub besitzen und irgendwann auch mein Geld zurückhaben.“


Das führe dazu, dass die Ticketpreise wie in England dann eben irgendwann steigen. Daher sei Watzke großer Anhänger der 50+1-Regelung, wie er erklärt. „Damit der Verein die strategische Mehrheit behält und die Mitbestimmung der Mitglieder und der Fußball als Kulturgut erhalten bleiben“, führt er weiter aus. Dieses Kulturgut muss jedoch, um weiterhin wettbewerbsfähig zu bleiben, seiner Meinung nach weiter nach Fernost expandieren. „Diese Entwicklung hat die Bundesliga die letzten 30 Jahre verschlafen. Die Engländer haben dort einen historischen und sprachlichen Vorteil, aber wir müssen uns da mit unserem Produkt sicherlich nicht verstecken.“


Watzke will Gespräche mit Tuchel nicht belasten


Bei der abschließenden Trainerfrage wirkte der gesprächige Geschäftsführer hingegen wieder etwas wortkarger. „Wir setzen uns nach der Saison zusammen und besprechen, wie es weitergeht: Wenn wir jetzt schon mit einem anderem Trainer fix wären, warum sollten wir das dann noch machen? Wir führen diese Diskussion aktuell nicht, mehr möchte ich dazu auch nicht sagen. Ganz egal, wie ich mich ansonsten äußere: Es würde das geplante Gespräch mit Thomas Tuchel vorbelasten.“


Vieles wird in dieser Frage sicher vom letzten Saisonspiel gegen Werder Bremen abhängen. Sollten sich die Schwarz-Gelben direkt für die Königsklasse qualifizieren und die TSG Hoffenheim dabei hinter sich lassen, wäre das ein gutes Argument für Thomas Tuchel auf eine Weiterbeschäftigung. Die direkte Qualifikation zur Champions League nach dem Umbruch und den Vorkommnissen in dieser Saison sind keinesfalls eine Selbstverständlichkeit. Auch nicht in Dortmund.